 eben so sehr für ein Werk ihrer Kunst zu halten, als die
übrigen, die ihnen die Poeten zu spielen auferlegen. Ich beobachtete Arsenien
eine geraume Zeit mit allem dem Misstrauen, welches ihr Stand notwendig zu machen
schien, und sie gewann so viel dadurch, als vielleicht manche, die ein großes
Geräusch mit ihrer Tugend macht, dabei verlieren würde. Urteilen sie, ob ich
weniger Aufmerksamkeit auf Hyacinten gehabt haben werde. Ihre Jugend schien sie
zwar von allem Verdacht loszusprechen, als ob Verstellung und Kunst einen Anteil
an der Unschuld haben könnte, die aus ihrem ganzem Wesen zu atmen schien; es war
unmöglich sie mit einem misstrauischen Auge anzusehen: Aber das Vergnügen, so ich
darin fand, mich immer mehr in der Idee bestärkt zu sehen, die ich mir beim
ersten Anblick von ihr gemacht hatte, machte dass sie mit einer
Scharfsichtigkeit, der nichts entging, beobachtet wurde. Eben diese
Aufrichtigkeit und liebenswürdige Einfalt des Herzens, welche sie aller der
kleinen Kunstgriffe unfähig machte, wodurch die Schönen aus Eitelkeit oder
anderen Absichten unsern Herzen nachzustellen pflegen, ließ sie auch nicht
bemerken, dass sie beobachtet wurde. Sie dachte eben so wenig daran sich zu
verbergen, als sich zu zeigen. Sie gefiel ohne gefallen zu wollen, und die
Anmut, die ihre kleinsten Bewegungen anzüglich machten, war eben so natürlich
und ungeschminkt als ihre Gesichtsfarbe. Ihre Handlungen hatten nie mehr als
eine Absicht, und nie eine andere als die sie natürlicher Weise haben sollten.
Sie schien nicht zu wissen, dass man die Augen, so beseelt auch die ihrigen von
Natur waren, zu etwas anderm als zum sehen gebrauchen könne; sie lachte niemals
um ihre schöne Zähne zu zeigen, und ließ oft in einer einzigen Stunde zwanzig
Gelegenheiten entgehen, wo eine andere sich das Vergnügen gemacht hätte, die
Anwesenden von der Schönheit eines wohlgestalten Arms, oder von der
verführerischen Artigkeit eines kleinen Fußes zu überweisen. Ihre Gegenwart,
Hyacinthe, macht es überflüssig ein Gemälde fortzuführen, womit ich ohnehin nie
zufrieden sein würde. Die Unschuld hat eine unendliche Menge Annehmlichkeiten,
die eben so wenig beschrieben, als von der Kunst nachgeahmt werden können, und
deren Eindruck desto gefährlicher ist, da er so sanft und unschuldig zu sein
scheint als sie selbst. Mein Herz war schon völlig von ihr eingenommen, ehe ich
daran dachte, wie weit mich die Gesinnungen führen könnten, die sie mir, wiewohl
ohne ihr Zutun einflößte. Unvermerkt wurde ich es gewohnt, sie alle Tage zu
sehen, unvermerkt verlor alles andere, was mir sonst angenehm gewesen war,
seinen Reiz für mich; ihre bloße Gegenwart setzte mich in Entzücken, und ohne
sie machte mir alles Langeweile. Ich entzog mich nach und nach allen
Gesellschaften, Lustbarkeiten und
