 Das erste war eine natürliche Folge der Annehmlichkeiten ihrer Person,
denn wem gefiel sie nicht? Und das andere schien mir eine eben so natürliche
Wirkung der Rolle zu sein, die sie damals spielte. Der allgemeine Beifall, in
dessen Besitz sie war, und der mir ihre eigene Person mit denen, die sie
annehmen musste, zu vermengen schien, blendete mich nicht, ich bemerkte, dass sie
nur eine mittelmäßige Schauspielerin war. Es ist wahr, in einigen Stellen, wo
sie edle Gesinnungen oder wahre und ungekünstelte Empfindungen der Natur zu
sagen hatte, schien sie unverbesserlich; aber der Poet hatte dafür gesorgt, dass
sie nur selten Anlass hatte, es zu sein, und in allen übrigen glaubte ich zu
bemerken, dass sie sich zwingen musste Gesinnungen oder Gemüts-Bewegungen
anzunehmen, die nicht ihr eigene waren. Diese Beobachtung war ihr sehr
vorteilhaft bei mir, und ich glaube in der Tat, dass sie mir denselben ganzen
Abend nie besser gefiel, als wenn sie, als eine Schauspielerin betrachtet, am
wenigsten hätte gefallen sollen. Ich ging aus der Komödie, und war betroffen,
wie ich fand, dass mir das Bild dieses jungen Mädchens überall folgte, ich sah
sie diesen ganzen Abend vor mir; der rührende Klang ihrer Stimme tönte noch
immer in meinen Ohren, und alle Zerstreuungen der Gesellschaft, wo ich den Abend
zubrachte, waren nicht zulänglich, diesen Eindrücken das mindeste von ihrer
Lebhaftigkeit zu benehmen. Ich gab eine Zeit lang keine Acht darauf, und bemühte
mich endlich diese Ideen zu zerstreuen; aber sie kamen immer wieder, und ich
hatte ein paar Tage nötig, bis sie andern Vorstellungen Platz machten, mit denen
ich damals beschäftigt war.
    Nach einigen Tagen kam ich wieder in die Komödie, und erwartete vergeblich,
dass Hyacinthe auftreten würde. Sie wurde diesesmal durch eine andere ersetzt,
die das Talent sich in alle mögliche Gestalten zu verwandeln, welches eigentlich
den guten Schauspieler macht, in einem weit höheren Grade besaß. Aber sie missfiel
mir, ohne dass ich einen andern Grund hätte angeben können, als weil sie nicht
Hyacinthe war, und niemals hatte ich so ungedultig auf den letzten Aufzug
gewartet. Ich erkundigte mich bei einem meiner Freunde nach Hyacinten, und
erfuhr von ihm den Charakter der Arsenia, die für ihre Tante gehalten wurde, und
die ein gezogene Lebensart, die sie führten. Diese Nachrichten vermehrten meine
Neugier; ich beschloss mich mit ihnen bekannt zu machen, ich besuchte sie und
fand, dass mir mein Freund nicht zu viel Gutes von Arsenien gesagt hatte. Man ist
so wenig gewohnt, Tugend, Grundsätze und edle Gesinnungen bei Schauspielerinnen
zu suchen, dass man sich, wenn man sie bei ihnen findet, nicht erwehren kann,
diesen Charakter
