 ich aß und schlief bei ihr, ihr Umgang und
Beispiel entwickelte und unterhielt meine Gesinnungen, und ihr Charakter, dem
alle Welt Gerechtigkeit widerfahren lassen musste, schützte mich vor der Bosheit
derjenigen, die als eine Grundregel annahmen: dass eine Person, welche tugendhaft
zu sein scheint, in der Tat nur behutsam sei. Wir verließen Korduba in wenig
Wochen, und begaben uns nach Grenada, wo wir uns bei nahe ein Jahr lang
aufhielten, und eines ununterbrochenen Beifalls genossen. Hier hatte ich das
Glück mit Don Eugenio bekannt zu werden. Die Hochachtung, worin er seiner
Verdienste und Sitten wegen stund, unterschied ihn zu sehr von dem großen Haufen
des jungen Adels, als dass Arsenia sich hätte ein Bedenken machen können von ihm
und einer kleinen Anzahl seiner Freunde Besuche anzunehmen, die an statt uns
Tadel zuzuziehen, vielmehr für einen Beweis angesehen wurden, dass wir
schätzbarer sein müssten als unser Stand anzukündigen schien. In einer
Gesellschaft wie diese, und wo die allzu gütige Parteilichkeit des Don Eugenio
für mich kein Geheimnis sein kann, wird es mir erlaubt sein zu sagen, dass ich
ganz unempfindlich hätte sein müssen, um von seinen Gesinnungen nicht gerührt zu
werden. Ich erröte nicht ihnen zu gestehen, dass ich vom Anfang unsers Umgangs an
eine Achtung für ihn empfand, die ich vorher für niemand empfunden hatte, und
wie ich glaube, für keinen andern jemals empfinden werde. Wenn ich auf etwas
stolz zu sein berechtiget wäre, so müsste es auf die Freundschaft sein, womit er
mich beehret hat. Die Welt, die immer urteilt ohne zu kennen oder sich die Mühe
der Untersuchung zu geben, hat mir künstliche Absichten beigemessen, deren die
Aufrichtigkeit meiner Seele nie fähig gewesen ist. Allein ich habe mich
jederzeit damit beruhiget, dass Don Eugenio mich besser kennt, und die Ausführung
eines Entschlusses, der schon lange fest bei mir steht, wird, wie ich hoffe, die
Freundschaft am besten rechtfertigen, deren er mich nicht unwürdig gefunden hat.
 
                              Dreizehntes Kapitel
               Don Eugenio setzt die Erzählung der Hyacinthe fort
Die liebenswürdige Hyacinthe schien, indem sie dieses sagte, so gerührt zu
werden, dass sie, so sehr sie sich auch bemühte es zu verbergen, ein wenig inne
halten musste. Erlauben Sie, schöne Hyacinthe, sagte Don Eugenio, ohne dass er
ihre Beunruhigung zu merken schien, dass ich ihre Erzählung fortsetze, da sie nun
auf denjenigen Teil ihrer Geschichte gekommen sind, wo sie mit der meinigen
verwickelt zu sein anfangt.
    Es ist bei nahe ein Jahr, fuhr er fort, dass ich mit Don Gabriel nach Grenada
reiste, wo ich verschiedene Angelegenheiten in Ordnung zu bringen hatte. Ich
besuchte einsmals die Komödie und sah Hyacinthe; sie gefiel mir, und rührte
mich.
