 da sie aller Zurückhaltung des Don
Eugenio ungeachtet, nur allzudeutlich sah, wie heftig er sie liebte; und Don
Eugenio, der alle diesen Liebkosungen ganz allein auf die Rechnung der Vorzüge
seiner Geliebten schrieb, war darüber so erfreut, dass er den Augenblick kaum
erwarten konnte, sich seines Geheimnisses in ihren schwesterlichen Busen zu
entladen.
    Niemals hat vielleicht in einer Gesellschaft von Personen, die einander,
teils gänzlich, teils bei nahe unbekannt waren, so viel Sympatie und eine
solche Mannigfaltigkeit von verborgenen zärtlichen Regungen geherrschet, als in
dieser. Natürlicher Weise konnten so liebenswürdige Personen, als sich hier
zusammen gefunden hatten, einander nicht gleichgültig sein; aber die geheimen,
obgleich noch unentwickelten Verhältnisse, worin sie gegen einander stunden,
machten sie einander noch unendlichmal interessanter, und Amor, und die Natur,
die hier in geheim ihr Spiel hatten, brachten eine Harmonie und eine
Vertraulichkeit, wozu sonst eine Reihe von Wochen erfordert wird, in eben so
vielen Minuten hervor.
    Don Gabriel war der einzige, der ohne eigennützige Absichten an dem
allgemeinen Vergnügen Anteil nahm. Die Ruhe seines eigenen Herzens erlaubte ihm
die übrigen mit der Scharfsichtigkeit eines Weisen und mit der Güte eines
Menschenfreunds zu beobachten, und ob gleich ein Teil von dem, was er zu
bemerken glaubte, ein Rätsel für ihn war, so sah er doch, dass in kurzem sehr
artige Geheimnisse sich entwickeln würden.
    Inzwischen erschienen ein paar prächtig gekleidete kleine Mohren, um die
Gesellschaft mit Erfrischungen zu bedienen und Don Gabriel, der einen
natürlichen Beruf dazu zu haben glaubte, hatte die Gefälligkeit, durch die
Munterkeit seines Witzes zu verhindern, dass die Konversation nicht von Zeit zu
Zeit in ein gedoppeltes, wiewohl stillschweigendes Tête-à-Tête ausartete.
    Ungeachtet einer gewissen phantastischen Wendung, die beinahe in allem was
Don Sylvio sagte oder tat, in die Augen fiel, wurde doch Don Eugenio je länger
je mehr von ihm eingenommen, und bei den Verbindlichkeiten, die er ihm hatte,
konnte er ohnehin nicht weniger tun, als sich die Ehre seines Aufenthalts zu
Lirias auf einige Zeit auszubitten, um, wie er sagte, einer Bekanntschaft, die
sich auf eine so außerordentliche Art angefangen, Zeit zu lassen, zu derjenigen
vollkommenen Freundschaft zu reifen, deren er sich nicht unwürdig zu zeigen
hoffte.
    Don Sylvio nahm eine so verbindliche Einladung mit größtem Vergnügen an,
ohne einen Augenblick mehr Umstände zu machen, als die Prinzen in den
Feen-Märchen zu machen pflegen, wenn ihnen ein Nacht-Quartier in einem
bezauberten Schloss angeboten wird.
    Donna Felicia entfernte sich hierauf mit der schönen Hyacinthe, und Don
Eugenio führte seinen Gast in ein prächtiges Zimmer, welches er ihn als das
seinige anzusehen bat, so lang er ihn mit seinem Aufenthalt in
