 Sachen sein müssten.
    Die Kürze dieser Erzählungen war das erste, wodurch sie ihm gefielen, so
sehr war er der dicken Folianten müde, woraus er seiner Tante täglich etliche
Stunden lang vorlesen musste. So bald er aber eine oder zwei davon durchlesen
hatte, war nichts dem Vergnügen zu vergleichen, das er darüber empfand, und der
Gierigkeit, womit er alle die übrigen verschlang.
    Ein gewisser Instinkt, der auch die einfältigsten unter den jungen Leuten
lehrt, was sie ihren Aufsehern sagen dürfen oder nicht, warnte ihn, seine liebe
Tante nichts von der Entdeckung merken zu lassen, die er gemacht hatte; allein
der Zwang, den er sich hierüber antun musste, machte ihm die Feen nur desto
lieber, und er würde die ganze Nacht durch gelesen haben, wenn man, wie Tasso
ehmals in seinem Gefängnis wünschte, bei den Augen einer Katze lesen könnte.
Denn die Vorsicht der Donna Mencia für seine Gesundheit, und für die Ersparung
der Kerzen hatte ihm schon von langem her die Mittel zu gelehrten Nacht-Wachen
benommen.
    Allein, so bald der Tag anbrach, war er schon wieder munter; er nahm sein
Heft unter seinem Haupt-Küssen hervor, durchlas mit fliegenden Blicken ein
Märchen nach dem andern, und wie er mit der ganzen Sammlung fertig war, fing er
wieder von vorn an, ohne es müde zu werden. So oft er konnte, begab er sich in
den Garten oder in den angrenzenden Wald, und nahm seine Märchen mit. Die
Lebhaftigkeit, womit seine Einbildungskraft sich derselben bemächtigte, war
außerordentlich er las nicht, er sah, er hörte, er fühlte. Eine schönere und
wundervolle Natur, als die er bisher gekannt hatte, schien sich vor ihm
aufzutun, und die Vermischung des Wundertaren mit der Einfalt der Natur, welche
der Charakter der meisten Spielwerke von dieser Gattung ist, wurde für ihn ein
untrügliches Kennzeichen ihrer Wahrheit.
    Dieser Punkt fand desto weniger Schwierigkeit bei ihm, da er durch seine
bisherige Lebensart vollkommen dazu vorbereitet war. Denn seit dem Anfang seiner
Studien, der mit den Verwandlungen des Ovidius gemacht worden, war ihm bisher
kein einziges Buch in die Hand gekommen, das ihm richtigere Begriffe hätte geben
können; im Gegenteil verschiedene Schriftsteller aus den Zeiten, da die
Pytagorisch-Kabbalistische Philosophie durch ganz Europa im Ansehen stund,
hatten durch ihre systematische Träumereien von Planetarischen und
Elementarischen Geistern, von Beschwörungen, geheimnis-vollen Zahlen, und
Talismannen, und von jener vorgeblichen Weisheit, die ihren Besitzer zum Meister
der ganzen Natur machen könne, ihn so sehr in seinen Einbildungen befestiget,
dass selbst die wundervolle Haselnuss der Babiole, und das Stück Leinwand von vier
hundert Ellen, welches der Liebhaber der weißen Katze aus einem Hirsen-Körnlein
auspackte
