; und sie hatte sich den frostigen Armen eines so
unpoetischen Liebhabers als ein Ehmann von siebzig Jahren ist, aus keiner
andern Absicht überlassen, als weil die Reichtümer, über welche sie in kurzem zu
gebieten hoffte, sie in den Stand setzen würden, alle die angenehmen Entwürfe zu
realisieren, die sie sich von einer freien und glücklichen Lebensart, nach den
poetischen Begriffen, machte.
    Bei einer seltenen Schönheit besaß Donna Felicia alle die Annehmlichkeiten,
welche den Mangel der Schönheit ersetzen, und die Schönheit unwiderstehlich
machen. Sie spielte die Laute in der äußersten Vollkommenheit, und begleitete
sie mit einem Gesang, der desto bezaubernder war, da der bloße Ton ihrer Stimme
etwas rührendes und musicalisches hatte, welches nach dem Urteil des guten
Königs Lear, ein vortreffliches Ding an einem Frauenzimmer ist. Sie zeichnete,
sie malte in Pastell, und damit ihr keine von den Gaben der Musen fehlen möchte,
so machte sie auch Sonnette, Idyllen, und kleine Sinngedichte, welche nach dem
Urteil ihrer Liebhaber alles übertrafen, was die Sappho's, die Korinnen, und die
neun Musen selbst jemals in dieser Art hervor gebracht hatten.
    Man kann sich vorstellen, was für eine Revolution der Tod ihres Gemahls in
der schönen Welt zu Valencia machen musste. Alle Damen zitterten für die Treue
ihrer Liebhaber, alle jungen Herren rüsteten sich auf eine so glänzende
Eroberung; die Poeten machten ganze Wagen voll Stanzen und Elegien im Vorrat,
welche sie bei den Liebhabern der schönen Witwe in billigen Preise anzubringen
hofften: Kurz, alle Welt war in Bewegung, diejenige allein ausgenommen, die das
Ziel so vieler Anstalten und Absichten war. Ihre Trauerzeit und der Winter waren
kaum vorbei, so verließ sie die Stadt, ohne sich zu bekümmern, in was für
trostlose Umstände ein so grausamer Entschluss ihre Anbeter setzen werde, und
begab sich mit ihrem Bruder nach Lirias, einem schönen Gut, so er in einer der
anmutigsten Gegenden besaß, die man auf dem Erdboden findet.
    Sie erwählte sich diesen Aufenthalt, teils, weil sie ihren Bruder sehr
zärtlich liebte, teils des Wohlstands wegen. Denn ob sie gleich selbst ein
prächtiges Landgut besaß, welches Don Miguel auf ihr Verlangen in der
Nachbarschaft von Xelva gekauft hatte; so hielt sie es doch für anständiger,
unter den Augen eines Bruders zu leben, zumal, da sie keine nähere Verwandte
übrig hatte, und Don Eugenio von Lirias in dem allgemeinen Ruf stund, ein sehr
verdienstvoller junger Edelmann zu sein.
    Donna Felicia hatte auf ihrem eigenen Gut eine Art von Schäferei angelegt,
aus welcher sie nach und nach ein andres Arcadien zu machen gedachte. Sie setzte
sich vor, von Zeit zu Zeit einen kleinen Absprung dahin zu machen, und sie war
eben im Begriff in
