 bekommen, können sich dieses zur Rachricht dienen lassen, dass man
sie, um allem unnötigen Aufwande vorzubeugen, zu Fuße erwartet. Alle aber
werden gebeten sich aufs späteste um zwei Uhr Nachmittags allhier einzufinden.
Oeffentlich bekannt gemacht, den dritten Dezember.
 
                                  XVI. Brief.
              Fräulein Amalia v.S. an den Herrn v.S. ihren Bruder.
                                                                      den 6 Dec.
Ich bin eine Zeitlang mit meiner Korrespondenz ziemlich faul gewesen, und will
mich bei einem Bruder, wegen meiner Nachlässigkeit, nicht rechtfertigen, den ich
geneigter finde sie zu verzeihen, wenn ich meinen Fehler gestehe, als wenn ich
mich durch eine Schutzschrift zu rechtfertigen suchte. Wir sind einander um
hundert Meilen näher, und meine Briefe kommen sparsamer, da du weiter entfernt
warst, schieb ich fleißiger. Ich weiß selbst nicht was ich für Abhaltungen
gehabt habe, dir so lange einen Brief schuldig zu bleiben, wenn dieses nicht
eine gewesen ist, dass ich nach meiner Gewohnheit sehr viel auf einmal habe
schreiben wollen, und nie genug Materie gehabt habe. Nicht als wenn es an
Auftritten gefehlet hätte, die würdig gewesen deine Aufmerksamkeit zu verdienen,
sondern, weil ich eine ziemlichvollständige Sammlung von Briefen in Händen habe,
die alles, was hier vorgegangen ist, so ausführlich enthalten, dass mir kein
Stoff zu einer besonderen Erzählung übrig geblieben ist, und ich hatte doch auch
Lust etwas zu erzahlen. Jetzt habe ich einmal Langeweile, sonst würdest du noch
keinen Brief von mir erhalten. Ich will, um mir die Zeit zu kürzen, meine
Erzählung da anfangen, wo das beigeschlossene Paquet aufhöret. Es sind darinnen
fünfzehn Briefe nebst andern Aufsätzen, die in unsern Roman gehören, enthalten,
du wirst hieraus leicht den Schluss machen können, dass du diese eher lesen musst,
als meinen Brief, sonst würdest du sehr herumraten müssen, wenn dir nicht ein
großer Teil desselben sollte unverständlich bleiben. Aus dieser Absicht will
ich einen neuen Abschnitt machen, der alles in sich enthält, was zur
Vollständigkeit der in dem Paquet entaltenen Nachrichten gehört.
    Am vierten dieses hatte der Baron die Freude, das lächerrlichste Stück in der
Komödie unsers Onkels, aufgeführte zu sehen. Der Entwurf der Akademie hat ihn
seit acht Tagen auf eine so lustige Art beschäftigt, dass er so munter aussiehet
als an seiner Hochzeit. Wir fuhren in bester Galla nach Kargfeld, um einem
großen Schmause, wodurch unser Onkel die Einweihung seiner Akademie feierlicher
machen wollte, beizuwohnen. Von der gewöhnlichen Gesellschaft fehlte Niemand.
Aus einem Hasse, den der Herr v.N. gegen den Herrn v. Ln. aus bekannten Ursachen
heget, war dieser nicht gebeten worden: er erschien aber doch zu Pferde, ob er
gleich kein Programma in Goldpappier eingebunden erhalten
