 ihn auch zu einem Mitgliede ernennen ließ, so
würden Sie doch keine Reden von ihm hören: er würde vermutlich ein
Ehrenmitglied werden. Soviel ich aus dem Aufsatze des Herrn Lamperts ersehen
habe, gehören nur Pachter und Schulmeister unter die ordentlichen Mitglieder der
neuen Akademie. Ich habe mich über diesen Entwurf, und über die Art, wie er soll
ausgeführet werden, überaus vergnügt. Weil ich mich eben so gar sehr darein
vertieft hatte, ging es mir wie es den tiefsinnigen Leuten zu gehen pfleget, da
ich dachte, ich hätte alles aufs beste gemacht, hatte ich das vornehmste
vergessen und mich nicht darauf besonnen das Pappier mit dem Liedgen in meinen
Schrank zu schließen. Ich will Ihnen Ihre Lust nicht verderben, und es beruhet
nur auf Ihnen, weint Sie die Akademie wollen eröffnen lassen, Sie dürfen mich
nebst meinen Eltern nur einladen. Weil der Herr Baron selber eine Stelle unter
den Mitgliedern einnehmen will, so habe ich nichts darwider einzuwenden, dass Sie
meinem Vater die Präsidentenstelle zugedacht haben. Ich errate Ihren sehr
leichtfertigen Bewegungsgrund hierzu, und Sie tun sich vermutlich auf diesen
Einfall viel zu gute; mir als einer Tochter würde es aber sehr übel anstehen,
wenn ich mit Ihnen zugleich lachen wollte, diese Ernsthaftigkeit werden Sie mir
aber gewiss vergeben. Der Herr F. hat in seinem Schreiben all den Herrn Lampert
eine sehr lebhafte Satyre angebracht, über die seltsamen Anschläge desselben.
Der Entwurf einer Frauenzimmerakademie, der Ihnen angedichtet wird, macht den
seinigen sehr lächerlich, und wenn er dieses nicht einsiehet, so hat er nicht
Ursache sich für scharfsinnig zu halten: wenn er es aber merkt, dass er Ihnen nur
zum Spiele dienen muss, woran ich nicht zweifele: so wird alles dadurch
rückgängig werden, und Sie kommen um alle die schönen Reden, die Sie erwarten.
    Jetzt hat mich eben der hiesige Kantor verlassen, der mich, wie Sie wissen,
im Klavier unterrichtet, ich bin dadurch an der Vollendung meines Briefes
gehindert worden, und nun mag er auch eine Stelle darin einnehmen. Er
entdeckte mir als ein großes Geheimnis und mit einer Freude, der keine gleich
ist, dass er mich am längsten wurde unterrichtet haben; er hätte einen
anderweitigen Ruf zu einem großen Ehrenamte. Ich glaubte, dass ihm eine andere
Gemeinde zum Schulmeister verlangte und wünschte ihm hierzu Glück: er eröffnete
mir aber, dass er, so viel er einsehen könnte, Professor auf der neuen Akademie
werden sollte, die der Herr v.N. in Kargfeld errichten würde. Ob er gleich in
der Schule nur bis in die vierte Klasse kommen wäre und das Latein niemals hätte
vertragen können: so hätte er doch Lust ein vornehmer und gelehrter Mann zu
heißen. Er zweifelte auch nicht,
