 v.N. Erb-Lehn- und Gerichtsherrn auf Kargfeld und
Dürrenstein etc. Welcher nach reiflicher und genauer Überlegung der Sache, und
nach eingeholtem Gutachten vieler verständigen Leute entschlossen ist,
erstbenennten seinen Rittersitz den Musen als ein Eigentum zu widmen, und eine
Akademie der Wissenschaften im Kleinen daselbst anzulegen. Da Hochderselbe nun
im Begriff ist, solche eröffnen zu lassen: so hat man nicht ermangeln wollen,
solches hierdurch öffentlich bekannt zu machen, damit auswärtige Gelehrte, die
Lust haben zu Mitgliedern davon aufgenommen zu werden, solche kennen lernen, und
sich in Zeiten durch eine gelehrte Abhandlung, die sie an innenbenannten
beständigen Secretair derselben einschicken, und dadurch zur Ehre eines
Mitglieds sich melden, worauf sie nach genauer und unparteiischer Prüfung ihrer
Arbeit sich der Aufnahme gewärtigen können. Die Einrichtung dieser gelehrten
Societät ist folgende.
    1.) Es werden darin keine andre als Mannspersonen zu Mitgliedern
aufgenommen. Denn ob man wohl anfänglich entschlossen war, auch das schöne
Geschlecht an diesem Instituto Anteil nehmen zu lassen; besonders da das
Frauenzimmer zu allen Künsten und Wissenschaften vorzüglich geschickt ist; auch
zum Teil die Schönen in der Gelehrsamkeit bei schlechtem Unterricht es sehr
weit bringen, dergestalt, dass wenn auf sie eben die Sorgfalt gewendet würde als
auf unser Geschlecht, die bärtigten Gelehrten gegen die gelehrten Schönen nur
arme Schächer sein würden: so hat man doch das Frauenzimmer von dieser Ehre, in
so fern gänzlich ausgeschlossen, dass sie niemals in der Akademie, wegen
besorglicher Zänkereien, auch neuen Ketzereien in den Wissenschaften, wozu sie
ein ganz besonderes Talent haben, wie dieses aus den Verzeichnissen ketzerischer
und schwärmerischer Weiber zu ersehen, Sitz und Stimme erlangen sollen. Jedoch
wird dem jedesmaligen Präsidenten und übrigen einheimischen Mitgliedern
freigelassen, gelehrte und durch gemeinnützige Schriften bekannte Frauenzimmer,
zu Ehrenmitglieder zu erklären.
    2.) Es gibt zweierlei Arten von Gelehrten, einige treiben die
Wissenschaften als ein Handwerk, und nähren sich davon, welche der gemeine Mann
Studirte nennt, sie selbst geben sich den Namen literati; andere erlangen eine
deutliche Erkenntnis nützlicher Dinge durch die Übung oder durch eignen Fleiß.
Diese letztern werden Avtodidacti genennt, weil sie nicht zünftig sind und von
den gelehrten Meistern für Pfuscher und Bönhasen angesehen werden. Ob nun gleich
zugegeben wird, dass diese ehrlichen Leute in der gelehrten Republik unter die
Hintersiedler gehören, so ist doch kein Grund vorhanden sie aus solcher ganz und
gar zu verstoßen, und mithin wird man auch keinen angeben können, ihnen den
Zutritt zu unsrer neuen Akademie zu versperren. Aus dieser Ursache werden auch
Unstudirte, wenn sie nur eine gute Erkenntnis nützlicher Dinge besitzen, als
nützliche Mitglieder in derselben ihren Platz finden.
    3.) Die zu errichtende Akademie ist nicht einer Wissenschaft allein
gewidmet, folglich ist sie keine Akademie
