 des Staates einen unvergesslichen Namen gemacht haben, in keine
Betrachtung ziehen: ich will nur einen Blick auf die gelehrte Welt tun, und den
Flor der Wissenschaften beschauen, um dazutun, dass unsre Zeiten nicht
schlimmer werden, wie alle verlebte Leute aus Vorurteil glauben, sondern dass
wir in den besten und glückseligsten Zeiten leben.
    Die Ausbreitung der Wissenschaften gehört ohne Zweifel mit zu den
merkwürdigsten Dingen, die unserm Zeitraume ein so glänzendes Ansehen geben. Wie
viele große Männer könnte ich nennen, wenn es hier der Ort wäre, die durch ihre
ausgebreitete Erkenntnis in allen Teilen der Wissenschaften, und besonders
durch die Erfindung wichtiger und neuer Wahrheiten sich ein so ehrwürdiges
Ansehen verschafft haben, dass sie den berühmtesten Gelehrten aus den
berühmtesten Völkern und in den berühmtesten Zeiten die Woge halten, wo sie
solche nicht gar übertreffen. Anstatt aller Beweise darf ich nur die Königin der
Wissenschaften, wie sie von einigen Gelehrten mit Recht ist genannt worden,
oder die Seele aller Künste die herrliche Metaphysik anführen. Wie diese
verehrungswürdige Disziplin den Grund aller menschlichen Erkenntnis erhält, zu
einer jeden wichtigen Handlung aber die mit Vorsatz ausgeführet wird, ein großer
Grad der Erkenntnis gehört; so kann sie auch als der Grund aller großen
Begebenheiten, die unsern Zeitraum merkwürdig machen, angesehen werden. Sie ist
es, durch welche die Fürsten weislich regieren, die Generale Schlachten
gewinnen, Städte in so viel Tagen einnehmen, als man ehedem Jahre dazu brauchte.
Sie ist es, wodurch das Recht der Völker und einzelner Personen entschieden
wird. Wie könnte das Recht gehandhabet werden, seitdem die Sophisten unsrer
Zeiten die Sachwalter und Advokaten auferstanden sind, und der Gerechtigkeit
eine wächserne Nase angesetzet haben, wenn die Metaphysik nebst ihrer getreuen
Gespielin der Vernunftlehre die Menschen nicht unterwiesen hätte, das Wahre von
dem Falschen, und das Licht von dem Schatten zu unterscheiden.
    Doch die Wissenschaften würden noch lange nicht in dem Glänze stehen,
worin sie sich befinden, wenn nicht gewisse gelehrte Gesellschaften wären
errichtet worden, die mit zusammengesetztem Eifer das Reich der Wahrheiten zu
erweitern sich bemüht hätten. Diese verdienen eine besondere Stelle unter den
Vorzügen, womit unser Zeitraum für andern Zeiten glänzet. Ich habe nur jederzeit
bedauert, dass solche gelehrte Gesellschaften bisher meistens in den Residenzen
großer Fürsten ihren Sitz gehabt, und nicht auch wie die Musen auf dem Helikon
unter den um sie herumirrenden Schäfern sich niedergelassen haben. Hierdurch
würde ihre Nutzbarkeit viel angenehmer worden sein, wenn sie sich auch bemüht
hätten, die Geringen im Volke und selbst die Erkenntnis; der Landleute zu
erweitern, welche doch unstreitig den größten Teil der Erdbewohner ausmachen.
Eine geringe Anzahl der Sterblichen weiß alles, und der größere Teil befindet
sind in der größten Unwissenheit. Diesem Übel abzuhelfen, sollte billig die
hohe Landesobrigkeit
