 ihrem Tische ein zusammengerolltes Pappier angetroffen, und bei
Eröffnung desselben, ein vortrefliches französisches Sonnet nebst ein paar
demantnen Ohrenringen gefunden hat. Sie sind abgestochen; Ihr Rival hat einen
höheren Trumpf eingesetzt. Das Fräulein hat eine sehr große Freude über das
Geschenke. Ihr Lobgedichte, das sie sehr heilig in ihrem Putzschrank aufzuheben
versprach, fallt nun gewiss in das unterste Fach, wenn es noch drinnen bleibt. Wo
sollten die Ohrengehänge anders herkommen als von dem Major? Ja ja, er hat die
rechten Schliche inne, wie man die Schönen bezaubern kann. Er verstehet das
Spiel aus dem Grunde, jetzt sitzt er im Vorteile und wird sich schwerlich
daraus vertreiben lassen. Doch das Spiel ist noch nicht verloren, Sie sitzen
nur hinter der Hand, und an Ihnen ist nunmehr die Reihe, ihn wieder
abzutrumpfen. Wir wollen die Sache schon wieder ins Gleiss bringen, wenn Sie nur
Standhaftigkeit genug besitzen, die widrigen Zufälle, die in dergleichen
Umständen sich oft begeben, zu ertragen, ohne an Ihrem Glück zu verzweifeln. Ich
bin immer unglücklich im Vergleichen, so viel Geschmack ich auch daran finde.
Ich habe Ihre Liebe, in so ferne sie tätig ist, mit dem Spiel verglichen:
jetzt, da Sie Sich nach meinem Entwurf etwas leidend verhalten müssen, kommt sie
mir vor wie das Podagra. Geduld und ein wenig Schreien sind hierbei die besten
Arzeneien. Ich rate Ihnen beides, das erste, um der Sache gelassen zuzusehen,
bis das Schicksal Ihren Rival aus der hiesigen Gränze entfernet, und das andere,
um ihre Schöne, wenn sie über Ihre Unempfindlichkeit und Härte klagen, dadurch
zum Mitleiden zu bewegen. Unterdessen dass Sie in einer gewissen Untätigkeit
sich befinden, will ich desto geschwinder sein im Kabinet, und wie die Minister,
wenn die Generals in Winterquartieren schmaussen, den Plan entwerfen, den Sie
hernach ausführen sollen. So bald Sie Ihre Staatskrankheit Abschied nehmen
lassen, so besuchen Sie mich, und bringen Sie Ihren Favoriten den Herrn Lampert
mit, damit wir alles gemeinschaftlich überlegen, und wegen Ihren Angelegenheiten
ordentlichen Rat halten. Ich verspreche Ihnen, allen Fleiß und alle
Aufmerksamkeit anzuwenden, ihre Wünsche zu vergnügen, um Sie dadurch zu
überzeugen, dass ich kein bloß Kompliment mache, wenn ich mich nenne
                                      Dero
                                                             gehorsamsten Diener
                                                                            v.F.
 
                                   X. Brief.
                     Das Fraülein v.W. an das Fräulein v.S.
                                                                     den 26 Nov.
Was werden Sie noch aus mir machen, loses Fräulein! Sie, und der Herr Baron,
spielen Komödien, dass man Bücher davon schreiben könnte. Ich glaube, Sie haben
sich beide vorgenommen, Ihre Nachbarschaft rund um sich her in Verwirrung zu
setzen, und Niemand zu schonen, wenn Sie nur etwas zu lachen bekommen
