Eier, Pfauenzungen, und das Gehirne der Krammetsvögel speiste? Ein
Nero, dass er einigen Eseln, die besonders bei ihm in Gnaden stunden, goldne
Hufeisen auflegen ließ; dass er mit goldnen Netzen fischte, und die Stadt Rom
einmal anzünden ließ, um als ein guter Kritikus, eine Stelle des Homers, die
nicht nach der Natur gemahlet schien, zu erläutern? Waren diese Herren
lasterhaft, tirannisch und verschwenderisch, so waren sie Kaiser und keine
Privatpersonen; sie ließ bei allem Unfug, den sie anrichteten, die Gelehrten
in ihren Würden, und wenn ja einmal Nero gegen seinen Lehrmeister grausam ist,
so darf dieses Herr Salmonet mit einem Gelehrten, der ihm nie in irgend einer
Wissenschaft Unterricht gegeben, nicht gleich nachtun. Überdieses waren jene
Herren große Monarchen, die ihrer Untertanen Leben und Vermögen als ihr
Eigentum betrachteten; allein wodurch hat ein verdammter Irrländer dieses Recht
herbekommen, gegen einen deutschen Gelehrten einen solchen Despotismum
auszuüben? Je weniger sich diese malitiöse Handlung des Verwegenen durch etwas
beschönigen lässt, desto größer wird die Sittlichkeit derselben, und es muss, ohne
weitern Beweis zu führen, zugegeben werden, dass, da seine Bosheit größer ist,
als der ruchlosesten Leute, die jemals der Erdboden getragen hat; er auch würdig
wäre, ärger als Damien und andre Ungeheuer der Natur, andern zum Abscheu, wegen
dieser Misshandlung bestraft zu werden. Doch hierinne habe ich der Gerechtigkeit
nichts vorzuschreiben. Eu. Gn. werden nach Dero beiwohnenden Klugheit schon
wissen, Sorge zu tragen, dass er seiner Strafe nicht entgehet. Ich empfehle
Hochdenenselben diese Angelegenheit eben so sehr, als meinen Gönner und die
gesammte Anzahl Dero Verehrer in hiesiger Gegend, worunter ich vorzüglich
gehöre, und verharre mit lebenswäriger Hochachtung
                                    Eu. etc.
                                                            untertäniger Diener
                                                                          M.L.W.
                                    Beilage.
Dass Vorzeiger dieses, Tib. Plen. Herr Lampert Wilibald, der freien Künste
Magister, nicht leichtsinniger Weise oder durch Verheißungen und Geschenke,
sondern vielmehr durch militarische Bewegungsgründe und Androhung schwerer Pön
ist angetrieben worden, auf Verlangen des Rittmeisters Salmonets, jedoch wider
seinen Willen und Neigung, eine der Ehre des hochberühmten Herrn Karl Grandisons
Baronets nachteilige. Schrift abzufassen, solche aber, so bald er es ohne
Leibesgefahr tun können, öffentlich wiederrufen und zum Feuer verdammt; auch
eine Abschrift davon in optima forma, in meiner und anderer glaubwürdigen
Personen Gegenwart, wirklich ins Feuer geworfen und verbrannt hat: solches habe
hierdurch bei meinem Ehrenwort nicht nur bezeugen, sondern auf dessen Verlangen,
gegenwärtiges schriftliches Testimonium hierüber auszustellen, nicht ermangeln
wollen. So geschehen Schöntal, den 16 Nov. 17 - -
                                                                            v.F.
 
                                  III. Brief.
                        Der Herr v.N. an den Baron v.F.
                                                           Kargfeld, den 30 Nov
