 es nicht
wahrscheinlich ist, dass er die Englischen Freunde jemals von Person wird kennen
lernen; so will er sich doch wenigstens aus dem Gemälde einen Begriff von ihnen
machen. Ferner hat er hat er sich vorgenommen, seinen hochadelichen Sitz zu
einer Schule der Tugend und Weisheit zu machen. Diese Bildergalerie wird also
den beste Hörsaal derselben abgeben. Man wird Gelegenheit haben, wenn man den
Lehrlingen diese Portraits zeigt, auch zugleich den moralischen Charakter der
Personen, die dadurch vorgestellt werden, zu entwerfen. Die Tugend wird ihr
gehöriges Lob, das Laster seinen Tadel finden.
    Salmonet. Der Herr v.N. wird mein Portrait also nicht bekommen. Es ist mir
bekannt, dass ihr Herren eben nicht die besten Begriffe von mir habt. Ich glaube,
ihr wäret im Stande, mich neben den schelmischen Juden Merceda zu stellen, und
jeder, der vorüber ginge, müsste einen Fluch über uns aussprechen. Nein, das wäre
mir ungelegen! Ich will lieber unbekannt bleiben, als auf eine solche Art
berühmt werden.
    Lampert. Sie haben nichts zu fürchten. Es scheint, dass ihnen Sir Karl
Pardon gegeben, und die Beleidigungen, die er von ihnen und dem Herrn Major
Ohara erhielt, vergessen hat. Es ist also auch unsere Schuldigkeit, dass wir
alles mit dem Mantel der christlichen Liebe zudecken. So bald sie angefangen
haben, den Herrn Grandison zu verehren; so bald sind sie aus den Toren des
Lasters zu den Fahnen der Tugend übergangen. Wenn jetzo Herr Richardson die
Geschichte des Herrn Grandisons fortsetzen sollte, so würde er sie vermutlich
in einem ganz andern Lichte erscheinen lassen.
    Salmonet. Denken sie nicht an den verhassten Richardson. Er hat mich vor der
ganzen Welt beschimpft, und ich hätte ihn gewiss längstens den Hals gebrochen, am
sich Sir Karl seiner nicht annähme. Haben sie denn alles geglaubt, was er von
dem Major und mir bei den Händeln zu St. James quarre geschrieben hat?
    Lampert. Ich hab im geringsten nicht daran gezweifelt, da Sir Karl den
ganzen Vorgang der Sache selber an den Doctor Bartlett berichtet.
    Salmonet. Es ist wahr, Sir Karl hat mit aller Aufrichtigkeit alle Händel
beschrieben, ich habe den Brief im Original gesehen; Sir Richardson aber hat
geglaubt, dass die getreue Mitteilung desselben seinem Helden nicht gar zu
vorteilhaft sein dürfte, deswegen hat er sich die Erlaubnis genommen, viele
Stellen darin zu verbessern. Er hat aber die Sache, wie jedermann, der nur
Menschenverstand hat, leichtlich einsiehet, dergestalt übertrieben, dass seine
Erzählung alle Wahrscheinlichkeit verliehet. Sir Karl macht sich selbst oft
darüber lustig: er weiß am besten, wie wir ihn damals in die Enge getrieben
hatten.
    Lampert. Sollte aber Sir Karl darein gewilliget haben
