 der Frau v.W. einen Ritter aufzusuchen, der
unsere Sache ausführen soll, wir wollen schon andere Mittel finden, unsern
Beleidiger eins anzubringen. Jetzt kann ich Ihnen keinen bessern Rat erteilen
als diesen, dass Sie Sich ja nichts merken lassen, dass Sie den Brief von dem
Major erhalten haben, dadurch könnte das Spiel leichtlich verdorben werden.
Morgen werde ich Ihnen vielleicht bestimmter sagen können, was für eine Stellung
wir gegen den verliebten Ritter annehmen wollen. Er hat bei mir den alten
Bornseil zu seinem Liebesboten gebraucht, und ich zweifle nicht, dass dieser auch
den Brief, den Sie mir zugeschickt haben, gebracht hat. Ich habe allerlei
lustige Touren im Kopfe, die ich durch diesen einfältigen Mann spielen möchte,
der sich in diesem Falle vollkommen wohl zu dem Major schickt: allein ich will
mich über diesen Punkt nicht eher heraus lassen, bis sich meine Affecten wieder
vollkommen besänftiget haben, und bis ich sie zur Strafe, dass sie mich jetzo
beunruhigen, in meinen Strickbeutel, wie mein Onkel einmal sagte, zum Arrest
gebracht habe. Ich finde keinen bessern Ausdruck, mein Missvergnügen über Ihren
unartigen Herrn Vettern zu erkennen zu geben, als wenn ich sage, dass ich ihn
eben so sehr verachte, als Sie hochgeschätzt werden von
                                     Ihrer
                                                aufrichtigen zärtlichen Freundin
                                                                          A.v.S.
 
                                  XXVI. Brief.
                              An das Fräulein v.S.
                                                                      Den 1 Nov.
        Schönstes Fräulein,
Es ist eine besondere Ehre für mich, und ich nehme mir es zu einem besonderen
vorzüglichen Vergnügen an, dass ich die Erlaubnis habe, mich fast täglich in Dero
angenehmen Gesellschaft zu befunden, und manche vergnügte Stunde dadurch zu
genießen. Doch bei alle dem Glück empfinde ich eine gewisse Unruhe, die mir
einen Teil desselben wieder entzieht, und die allein daher entstehet, weil mir
bisher immer eine bequeme Gelegenheit gemangelt hat, Ihnen das zu sagen, was ich
empfinde. Darf ich es wohl, ohne Ihren Zorn zu befürchten, wagen, Ihnen mein
Herz zu entdecken, oder welches einerlei ist, ein Herz, das ich Ihnen schon
längstens gewidmet habe, zu Dero Füßen zu legen? Übersehen Sie einen Fehler,
den ich vielleicht dadurch begehe, dass ich ohne viele Umschweife meine
aufrichtige Neigung so zeitig gestehe, ehe ich noch hierzu durch meine
Bemühungen, mich Ihrer schätzbaren Gewogenheit würdig zu machen, einigermaßen
berechtiget bin. Schreiben Sie diesen Fehler ja nicht einem Mangel meiner
untertänigen Hochachtung gegen Sie zu: gönnen Sie mir vielmehr hierinnen eine
kleine Nachsicht. Die Liebe ist für mich bisher ein ganz unbekanntes Feld
gewesen, ich wage mich jetzo zum erstenmale hinein, und glaube, dass ich gegen
viele Regeln dieser Kunst verstosse. Doch dieses geschiehet nicht, weil ich sie
etwan gering schätze,
