 Recht; und wer einen guten
Dienst haben wollte, der musste ihn bezahlen: dagegen dorffte er auch wieder
allen Nutzen davon ziehen, welcher möglich war, ohne jemand Rechenschaft
darüber zu geben.
    In diesem Zustand war Alpina, als der Graf von Rivera daselbst ankam. Man
hatte in den Pallast des verstorbenen Allowiss eingeräumt. Der Graf bewunderte
dessen Pracht und sinnreiche Bau-Art: er urteilte daraus, dass ehedessen an
diesem Ort vortreffliche Künstler und Bau-Leute mussten gewesen sein.
    Der sämtliche Rat und die vornehmste Häupter der Bürgerschaft
bewillkommten ihn mit großen Zeremonien. Man setzte ihm eine Wache von vierzig
Burger vor das Haus. Diese kamen zwar mit ansehnlichen Befehlshabern aufgezogen;
allein die bewafnete Männer selbst sahen so betrübt aus, dass sie den Grafen zum
Mitleiden bewegten: ihm dünckte, dass sie sich besser in die Hospitäler als zur
Parade schickten. Der Graf wollte deswegen ihre Aufwartung doch nicht
verschmähen: er sann vielmehr auf Mittel, wie er sie ein wenig erquicken, und
ihnen etwas zu gute tun möchte.
    Der Rat hatte ihm gewisse Gelder zu seiner Unterhaltung angewiesen. Diese
wurden darzu angewandt, seine täglich abwechselnde vierzig Mann in einem großen
Saal mit einander zu speisen, und den bedürfftigsten mit heimlichen Allmosen
beizuspringen. Er setzte sich zuweilen zu ihnen, und hörte ihre Klagen an. Er
gab ihnen bei dieser Gelegenheit allerhand gute Lehren, er ermahnte sie zur
Bescheidenheit, zum Fleiß, zur Ordnung und zum Gehorsam gegen ihre vorgesetzte
Obrigkeit.
    An seiner Tafel speissten täglich die ansehnlichsten Leute, so wohl aus der
Burgerschaft, als aus dem Rat. Einige Geistlichen wurden gleichfalls mit darzu
gezogen: Der Graf ehrte und liebte diese Leute ungemein, wenn sie nebst ihren
Wissenschaften und Einsichten in göttlichen Dingen, auch selbst sich zu Exempeln
guter Lehren dem Volck darstellten: er wusste die Wichtigkeit ihres Amts, und dass
sie dadurch die beste Gelegenheit hatten das Gute zu befördern.
    Es fand sich unter den Ratsherrn ein nichtswürdiger Mann: Er wollte gern
reich und vornehm sein. Das Glück und die Geburt hatten ihm solches versagt: er
war von schlechtem Herkommen; er hatte keine Mittel. Dagegen hatte ihm die Natur
einen verschmitzten Kopf und ein verräterisches Hertz gegeben. Er wurde von
niemand hochgehalten, destomehr aber hielt er von sich selbst: er wusste um alle
Geheimnisse des Staats, und mengte sich in alles. Er wollte bei dieser
Gelegenheit Alpina dem König von Aquitanien in die Hände spielen; Er eröffnete
darüber seine Vorschläge dem Grafen von Rivera. Dieser berichtete zwar dessen
treulose Anschläge noch Hofe, um sich in keine Verantwortung zu setzen; er fügte
aber sein redliches Bedenken mit bei: warum er nicht riet, sich dermahlen des
Staats von Alpina zu bemächtigen: Es heist sonst, man liebt
