 und Virtuosen, wurden arm, und mussten ihr
Brod an andern Orten suchen. Die Musik wurde kaum noch in den Tempeln gehört.
Die große Versammlungen des Adels versperrten nicht mehr die Straßen durch die
Menge ihrer Gutschen. Die Spatzier-Gänge waren leer: alle Freiheit, alle Anmut,
aller Umgang schien aufgehoben zu sein. Die Reisende fanden in Alpina nichts
mehr, das sie bewegen konnte, den Einwohnern etwas von ihrem Geld zu
hinterlassen, und sich bei ihnen länger als einen Tag aufzuhalten.
    Die Ritter-Schule, die nicht allein jährlich eine große Anzahl des
benachbarten und fremden Adels, nebst anderer wohlhabender Leute Kinder in die
Stadt zog, wurde, wo nicht aufgehoben, doch so elendig und mit so schlechten
Leuten bestellt, dass sie von sich selber eingieng. Auf der Reit-Bahn sah man
kaum noch ein Paar alte steiffe Pferde, zum Andencken, dass ehedessen allda eine
Schul gewesen sei. Das Tanzen hielt man für sündlich, die Musik für zu
weichlich, das Fechten für gefährlich, das Mahlen für eitel; die Sprachen und
schöne Wissenschaften aber für unnötig.
    Indem man also von diesen Dingen urteilte, hatte man nicht ganz unrecht,
die Art und der Endzweck, wie und wozu man eine Sache gebrauchet, macht
dieselbe entweder gut oder böse . Es sind in allen diesen Dingen gewisse Vorteile
vor die Gesundheit, und für die Geschicklichkeit des Leibes; für die
Wohlanständigkeit der Sitten, und für eine vernünftige Gemüts-Ergötzung; die
aber allesamt durch ihren verkehrten Gebrauch böse, ja überaus böse werden
können.
    Man sah also in kurtzer Zeit diesen Ort zwar ganz ortodox: allein zugleich
auch in völliger Abnahme: Handel und Wandel lag darnieder; der Müßiggang und
die Trägheit verdarben vollends die Einwohner. Man besuchte die Kirchen mehr aus
Langerweil, als aus Andacht; Man betrachtete die Geistlichen wie die Spielenden,
welche ihre Rolle auswendig lerneten. Man lobte an dem einem die gute Stimme, an
dem andern das herrliche Gedächtnüs, und an dem dritten die große
Gelehrsamkeit: weiter spührte man davon keinen Nutzen in dem gemeinen Leben. Die
Leute wurden weder frommer noch tugendhafter. Was die Obrigkeit nicht strafte,
hielt man für keine Sünde. Unter der Larve einer äußerlichen Ehrbarkeit
versteckte die Heuchelei die größte Laster. Die Jugend formirte sich nach dem
Beispiel der Alten: und die Auferziehung war eine Wissenschaft, darauf sich
niemand legte: die guten Sitten waren aus der Mode gekommen. Man war ehrsüchtig,
ohne wahre Ehre, und geizig, ohne den Nutzen der zeitlichen Güter zu kennen: man
wusste weder was man mit dem Geld, noch was man mit der Zeit machen sollte. Alle
Ergötzlichkeit der Alpiner bestund nur in Essen und Trincken. Diese Lust wurde
von ihnen so
