 passendes, glatt niederfallendes Kleid aus grauglänzendem Stoff, unten war
es kindlich ungeschickt von einem in eine Masche endigenden Seidenband
zusammengezogen, so dass es sie beengte. Sie erkundigte sich nach Frieda, und ob
sie nicht bald zurückkommen werde. Das war eine Frage, die nahe an Boshaftigkeit
grenzte. »Ich bin«, sagte sie dann, »gleich nach Friedas Weggang in Eile hierher
berufen worden, weil man doch nicht eine Beliebige hier verwenden kann, ich war
bis jetzt Zimmermädchen, aber es ist kein guter Tausch, den ich gemacht habe.
Viel Abend- und Nachtarbeit ist hier, das ist sehr ermüdend, ich werde es kaum
ertragen, ich wundere mich nicht, dass Frieda es aufgegeben hat.« - »Frieda war
hier sehr zufrieden«, sagte K., um Pepi endlich auf den Unterschied aufmerksam
zu machen, der zwischen ihr und Frieda bestand und den sie vernachlässigte.
»Glauben Sie ihr nicht«, sagte Pepi. »Frieda kann sich beherrschen wie nicht
leicht jemand. Was sie nicht gestehen will, gesteht sie nicht, und dabei merkt
man gar nicht, dass sie etwas zu gestehen hätte. Ich diene doch jetzt hier schon
einige Jahre mit ihr, immer haben wir zusammen in einem Bett geschlafen, aber
vertraut bin ich mit ihr nicht, gewiss denkt sie heute schon nicht mehr an mich.
Ihre einzige Freundin vielleicht ist die alte Wirtin aus dem Brückengastaus,
und das ist doch auch bezeichnend.« - »Frieda ist meine Braut«, sagte K. und
suchte nebenbei die Gucklochstelle in der Tür. »Ich weiß«, sagte Pepi, »deshalb
erzähle ich es ja. Sonst hätte es doch für Sie keine Bedeutung.« - »Ich
verstehe«, sagte K. »Sie meinen, dass ich stolz darauf sein kann, ein so
verschlossenes Mädchen für mich gewonnen zu haben.« - »Ja«, sagte sie und lachte
zufrieden, so, als habe sie K. zu einem geheimen Einverständnis hinsichtlich
Friedas gewonnen.
    Aber es waren nicht eigentlich ihre Worte, die K. beschäftigten und ein
wenig vom Suchen ablenkten, sondern ihre Erscheinung war es und ihr
Vorhandensein an dieser Stelle. Freilich, sie war viel jünger als Frieda, fast
kindlich noch, und ihre Kleidung war lächerlich, sie hatte sich offenbar
angezogen entsprechend den übertriebenen Vorstellungen, die sie von der
Bedeutung eines Ausschankmädchens hatte. Und diese Vorstellungen hatte sie gar
noch in ihrer Art mit Recht, denn die Stellung, für die sie noch gar nicht
passte, war wohl unverhofft und unverdient und nur vorläufig ihr zuteil geworden,
nicht einmal das Ledertäschchen, das Frieda immer im Gürtel getragen hatte,
hatte man ihr anvertraut. Und ihre angebliche Unzufriedenheit mit
