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    Stellen Sie sich eine Fläche vor, auf der zweidimensionale Wesen leben,
lebende Schatten. Und diese Fläche denken Sie sich im dreidimensionalen Raum
bewegt. Dann erscheinen die Punkte dieses Raumes den Zweidimensionalen in der
Form der Zeit. Der Analogieschluss ist, dass das, was uns Dreidimensionalen
zeitlich, einem Vierdimensionalen räumlich und gleichzeitig erscheint. Dem
Einwurf, dass das, was für den Vierdimensionalen etwa noch eine zeitliche Folge
ist, einem Fünfdimensionalen räumlich angeordnet dünkt, und so einschachtelnd
fort bis in eine Unendlichkeit, begegne ich mit dem Satz, dass etwas Unendliches
nicht sein kann, da alles Sein auf der Begrenzung beruht. Einmal müsste eine
solche Einschachtelungsreihe ein Ende haben. Und für den Geist auf dieser Stufe,
für den »zeitlosen Intellekt«, ist die Welt ein festes zeitloses Gebilde ohne
Werden und Vergehen. Für eine gewisse Höhenstufe des Intellekts, die wir
analogisch erreichen können, sind alle Formen der Welt, die sämtlichen Stadien
dieses Rauchringes, wie die kleinen Gedanken, die die Klaire gerade denkt,
zeitlos, das heißt ewig, unsterblich. Es ist das starre Sein, die homogene
ruhende Kugel des Parmenides.
    Wir glauben an die Lehre der Ewigen Wiederkehr, an diesen Januskopf, wie man
ihn schauerlicher nicht ersinnen konnte. Glauben wir vielleicht gerade deswegen
an ihn? Können wir dem Unzugänglichen nicht genug Schauerliches andichten? -
Eine gleiche Konstellation der Kräfte, der Ring der Ringe kehrt ewig wieder.
Nehmen wir aus diesem Ring vom Standpunkt jenes höheren Intellekts die Zeit und
damit die Wiederkehr, so liegt in einem x-dimensionalen Raum die Welt, die
nichts ist als formgewordene, sich in der Form uns darstellende Kraft, und
alles, was in ihr ist und war und sein wird, in ewiger Ruhe da. Das ist die
intellektuelle Unsterblichkeit, wie es auf dem Etikett meines philosophischen
Haustranks zu lesen - stand.
    Ja, mein Lieb, wir sind ewig da. Immer wieder werden wir uns zum ersten Male
fragend und aufflackernd in die Augen sehen, immer wieder werden wir an einem
goldenen Sonnentage ins Unendliche segeln, immer wieder werde ich dich mit
unsäglicher Liebe zu mir ziehen und immer wieder wirst du - -
    Ja, die Liebe - begann der Doktor.
    Die Liebe, kam ihm ein anderer zuvor, als ob er das am besten wüsste, die
Liebe ist nichts als gekränkte Eitelkeit. Sie erwacht immer erst, wenn man den
geliebten Gegenstand verloren hat oder er uns verloren zu gehen droht.
    Wenn man den geliebten Gegenstand -?
    Nun ja, auf den man ein ausschliessliches Recht zu haben glaubt. Dass gerade
ein solcher Kümmerling mir, einem Kerl wie mir, das Mädchen weggenommen hat, das
wurmt und nagt und beißt. Und vorher, da war sein ganzes
