 auf die Arme
nahm, und sie sich um ihn klammerte wie eine weiße Schlange.
Die Sonne hing schon gleich einem roten brennenden Ballon im Osten, als Erich
auf der Höhe stand, wo der Sumpfporst blüht.
    Wo hat sie das Märchen her? Will sie, dass ich alles Strebens Wurzel und
Krone in ihr und ihrer Liebe finde? Ihr liebes Spielzeug werde, ihr zärtlicher
Besitz? -
    In den Tälern lag der Nebel wie ein Meer, und die Wipfelgruppen der Erlen
und Eichen sind Klippen, um die es brandet - eine steile Insel, ein flacher
Himmel und eine brennende Kugel, die aus gelben Dünsten sich hebt: da ließ er
sich auf ein Polster von Rasenbinsen nieder, um sich an dem Schauspiel zu
weiden.
    Und wie er seine Augen von den leise quirlenden Massen fort auf die Sonne
wandte, bemerkte er auf der glühenden Scheibe einen Fleck; er blickte schärfer
und sah, dass er eigentümlich zitterte und schwankte -
    So wird ein Falke, der über einem Nebelmeer rüttelt, zum Sonnenfleck -
    Jetzt fiel der Punkt blitzschnell in die Tiefe -
    Wie mancher andere Fleck, der sich so zwischen uns und die Wirklichkeit
schiebt, mag so zur Erde stürzen! Wie manches Wort noch, das uns die Aussicht
versperrt - nicht jedes Wort?
    Ziehen wir nicht mit Worten und Formbildern die Welt in uns und suchen sie
dann, wenn sie in unserem Besitz ist, dieser zu entkleiden und streifen die
verschlammten Netze ab von dem köstlichen Meeresschatz? Und was haben wir dann:
das nackte bloße blanke Ding, das aber dennoch in unseren Gedanken steckt - in
uns -?
    Denke ich nicht zuerst das Chaos, aus dem ich eine Wortwelt bilde, die ich
sodann durch Abstreifen der Worte zum Ding an sich konstruiere?
    Muss ich nicht so meine Formel: Ich schaffe die Welt - verbessern in die: Ich
bin die Welt? Einmal Chaos, einmal Wortwelt, einmal Ding an sich?
    Suche ich also nicht Loo durch meine Vorstellung, meinen Wunsch und Besitz
in mich zu verwandeln, sondern vielmehr: denke ich sie nicht erst, schaffe ich
sie nicht zuerst in mir, ist sie nicht ein Teil von mir, mit dem ich schalte,
wie mir behagt?
    Wie könnte ich jemals ihr zärtliches Spielzeug werden! Ist sie nicht ich!
Bist du nicht ich, du süßes Märchen?
    Ich bin die Welt! -
    Aber wenn alles Menschenleben zerstiebt, so hängt doch droben noch düsterrot
die erlöschende Sonne - ah! wie nun ihre warmen Strahlen in den Nebel greifen,
sie zu langen Locken und Bändern spinnen und in die Höhe ziehen, um aus ihnen
die weißen Wolkenbälle zu weben und zu nähen, und dann den Wind rufen und ihre
Weberkünste ihn forttragen und weitersegeln
