, unsichtbaren Gründen
hergedroht wird - - -
    Ich dachte diesen Anblick nach unten, ins Verkehrte, so intensiv aus, dass
ich eine leichte Übelkeit verspürte. In diesem Augenblick kam in den
Ringelreihen der Ornamente über der ölglatten Fläche eine Störung, ein Knäuel
entstand durch falschen Ruderschlag und zerknüllte den Bann. Ich erwachte mit
einem leisen Anflug von Seekrankheit. Der Reflex der glatten, weissbelichteten
Fläche musste eine vorübergehende Blendung meines Bewusstseins herbeigeführt
haben. Ich sah überscharf, krankhaft - darum konnte ich gleichsam in das Motiv
einer völlig neuen Realität sehen. Wenn ich mich ein wenig anstrengte, konnte
ich in diese Stimmung zurückschnellen: und dann war es wieder da, dann hatte
ich, gleich dem Reisenden im Eisenbahnkupee, der in seinem Bewusstsein den Zug
stillstehen und die Landschaft sich daran vorbeibewegen lässt, den widersinnigen
und subjektiven Eindruck, in einem Boote zu sitzen, dessen Ruderer einem Rade
unterm Wasser mit ihren Stangen entgegenkämen. Ich übte die Sache ein wenig und
bald konnte ich mich wie eine Blechmembrane hin und her schnappen lassen. Diese
Sinnestäuschung ging perfekt. Der Akzent sprang einfach um - - -
    Der Akzent, halt! Da hatte ich es. Der Akzent gibt ganze Perspektiven
wieder, ganze Realitäten lasten auf ihm. Mittels einer sogenannten
Sinnestäuschung konnte die Welt zu einer andern umgestülpt werden. Wer wird nun
sagen können, diese ist die richtige und jene ist die falsche? Wer kann
beweisen, wo die Störung und wo der Normalzustand liegt? Wer von uns Weißen aber
kann erzählen, welche Störungen einen indischen Fakir in den Stand setzen,
widernatürliche Leistungen mit seinem Körper hervorzubringen, denen wir kein
vernünftiges Bewusstsein abringen können? Es ist ein unerforschtes und
merkwürdiges Gebiet, und keine Hypothese ist gut genug dazu, den ganzen Ausblick
zu umfassen. Ich habe indes doch eine, aber sie ist mehr raffiniert als
vernünftig, mehr mystisch als gelehrt - nämlich genau so, wie es sich mir für
diese Angelegenheit zu ziemen scheint.
    Das, was ich hier entdeckt habe, ist ja nichts anderes als das Symbol der
Paradoxie. Wir alternieren eine Sache, wir machen es anders, absurd, verkehrt,
und siehe da, es ist auch etwas. Wir denken einen Gedanken pervers, und er ist
frisch wie eine Jungfrau. Wir stellen einen Akzent um, und das Neue ist eine
neuere Welt als irgendein Amerika. Und bitte, wie wurde Amerika entdeckt? Durch
eine Paradoxie. Kolumbus fuhr zu einem Osten; daraus ergab sich der Westen.
Ticke tack, macht die Uhr; aber macht sie nicht ebenso gerne Tack ticke, wenn
wir bloß wollen? Es hängt durchaus von unserem Belieben ab, von unserem
schöpferischen Willen, zu alternieren, und ich kann es beweisen, wir alternieren
auch, ein
