 nicht abzuschrecken sind von den Taten, zu denen ihre
genialen Instinkte, ihre hochentwickelten Sinne sie führen.«
    Man stand oben im Flur der dritten Etage.
    »Und wissen Sie, warum ich Ihnen das sage? Weil Sie jetzt das gerade
Widerspiel davon sehen werden. Sie werden hier Wesen sehen, - scheinbar ohne
Blut, ohne Passion, ohne echten Affekt und erschreckbar selbst durch jeden
Alarmschuss, den das Leben abgibt.«
    Er hatte inzwischen geklingelt, und ein Diener öffnete. Man legte in der
Garderobe ab. Trotz der vorgerückten Jahreszeit schien der Jour Lucindas sehr
gut besucht, denn die Garderobe war voll von Hüten, Schirmen, Stöcken, leichten,
sommerlichen Umhüllen.
    Sie traten in einen großen Salon, der eine Art von Ateliereinrichtung hatte.
Verschiedene antike Stücke waren da zusammengestellt, verschleierte Ampeln
beleuchteten die Szenerie. Auf einem Sockel, in der Mitte des Saales, tronte
ein indisches Götzenbild, von grotesker Scheusslichkeit, mit glühenden
Smaragdaugen. An einer Wand hing, allein für sich, ein riesiges Pentagramm, aus
schwarzem Tuch geschnitten. Der Diener ging herum und reichte auf einem Tablett
Gläser, die mit einer grünlichen Flüssigkeit, in der ein Strohhalm steckte,
gefüllt waren. »Man trinkt hier Absint«, flüsterte Justus.
    Lucinda stand in einer fernen Ecke des Salons und nickte den Eintretenden
flüchtig zu.
    »Es darf Sie nicht wundern, wenn sie Ihnen nicht entgegenkommt, das tut man
hier nicht. Jeder bleibt sich selbst überlassen, und es ist seine Sache,
Anschluss zu finden oder auch nicht; es bilden sich hier zumeist Kreise, in die
Aufnahme zu finden man versuchen kann; jeder kann das halten, wie er will; in
dieser Beziehung ist man hier gänzlich ungeniert.«
    Lucinda war diesmal in einem weißen Gewand, von mönchischem Schnitt, das mit
einem schwarzen Strick gegürtet war. Das Haar hing in zwei Zöpfen, die seitlich
über den Ohren geflochten waren, vorn über die Schultern herunter. Um die Stirn
war eine schwarze Binde gelegt und fest um den Kopf gespannt. Ein großer,
dunkler Edelstein, von tropfenförmiger Gestalt, - es mochte eine schwarze
Granate sein, - war an die Binde genäht und hing auf der Stirn bis zur
Nasenwurzel herab.
    An den ersten Salon schloss sich noch eine Flucht von Zimmern, die alle
ähnlich möbliert waren; nirgends sah man ein modernes Möbelstück. Alte, zum Teil
sehr kostbare Stücke aus vergangenen Epochen füllten die Räume. Das letzte
Zimmer hatte keine Einrichtung. Die Wände waren mit schwarzem Samt, der Boden
mit einem weichen, schwarzen Veloursteppich bespannt. Die Decke schien in
Flammen zu stehen: sie war mit einem blutroten, schleierartigen Gewebe verhängt,
hinter dem rote Lichter magisch glühten. Einige Gestalten, in
