 Wesen, ein
Unvergessliches an Gestalt und Gehalt.
    Wer könnte es greifen, als der Träumer, der ganz dem Wachstum jener
heimlichen Funken ergeben hin starrt und hinstaunt? und wer könnte es weiter
geben, als nur der in Klang oder Farbe die Weise findet, die dann draußen
klingt, was innen und ungeboren und verhüllt war.
    Einhart war den Jahren nach jetzt ein junger Mann. Er war gegen
vierundzwanzig Jahr und machte sich jetzt ziemlich bestimmte Verheißung dessen,
was er aus seiner Seele als der einzigen Lebensquelle schöpfen wollte.
    Am ersten Morgen, als Einhart in Grottfuss' Atelier aufgewacht war, hatte er
sich nicht lange umgeblickt. Er hätte am liebsten gleich das Tintenfass vom
Tische genommen, um es nach diesem ganzen Unvermögen auszuspritzen. Grottfuss war
offenbar völlig bergab gegangen. Er hatte allerlei kopiert. Aber wo er
versuchte, einen eigenen Fischzug aus dem Meere des noch Ungedeuteten selber zu
tun, geriet es ins Meister Teodorische, wurden es blöde Zusammenstellungen von
sehr bekannten Dingen in sehr bekanntem Singen.
    Einhart war gleich an dem Tage neben Grottfuss hergegangen wie ein heimlich
Anfragender. Einen Witz hatte Einhart gemacht, wie Grottfuss eintrat, aber ins
Ungewisse nur. Er hatte sonst nichts geredet weiter. Er glaubte im Punkte der
ersehnten Lebensverkündigung aus Grottfuss etwas wie einen spöttischen Wehmutston
von Verzicht gleich heraus zu hören.
    »Nun bin ich nur begierig,« hatte Grottfuss gesagt, »wohin du geraten bist?
ob du zum blühen bringst, was du uns immer verheißen?« lachte er ein wenig
sonderlich.
    »Was?« fragte Einhart.
    »Ja, mein lieber Freund Selle, in den Jahren damals machten wir alle große
Worte. Du suchtest immer nach der Wunderblume.«
    »Ja, du! Ich habe seit lange mit niemand groß davon reden können und hab
also keinen Namen für die Sache mehr gebraucht. Aber den Drang, den kenne ich
noch besser, wie damals. Mir ist überhaupt ganz klar geworden, worauf es
ankommt. Dass es nur darauf ankommt, etwas zu malen, was nur ich malen kann, was
meine eigenen, persönlichsten Sehnsuchten stillt. Freilich muss man eigene,
höchst eigene Sehnsuchten wirklich haben. Ich habe sie. Ich bin jetzt dahinter
gekommen,« sagte Einhart mit aller Strenge.
    Einhart war dahinter. Das sah Grottfuss bald, als er Einhart vor seinen
Leinwanden sah. Die Malweisen allein regten Grottfuss auf. Die ganze Zeit, die er
bei Einhart stand, grübelte er. Was hatte Einhart nicht alles entworfen gleich
in den ersten Tagen: Tänzerinnen, eine Hochzeit zu Kana, Jesus im Tempel, die
Ehebrecherin. Und alles sonderlich. Einstweilen nur gezeichnet, aber streng auf
Wesen und Ereignis drängend. Wenn auch Einhart dann mit der
