, sondern hat eine
Seele wie jeder Mensch, und in der Seele schlummert ein Kern, und in dem Kern
träumt, ob sies schon selber vielleicht nicht weiß, eine Sehnsucht, und die
Sehnsucht dürstet nach etwas Höherem, Edlerem, Schönerem, als was ihre
nichtsnutzige alltägliche Umgebung ihr bieten kann. Sie ist bloß verkrustet.
Wenn ich indessen in ihrer Nähe bleibe, so muss unfehlbar früher oder später die
Magie meiner Persönlichkeit - vielmehr, besser gesagt, der glühende Blick der
erhabenen Fremdgestalten, die mich erleuchten - aus meiner Seele in ihre Seele
hinüberzünden, die Kruste durchbrechend, so dass sie aufwacht, entblindet, meinen
Wert erkennt und meiner hohen selbstlosen Gesinnung huldigt. Seele gegen
Gewöhnlichkeit, Geist gegen Trägheit, Person gegen Sippschaft, so gilt jetzt die
Fehde; Magie heißt meine Waffe, und die Strenge Frau ist mein gewaltiger
Feldherr. Wollen doch wahrlich sehen, wer stärker ist!«
    Und denselben Morgen noch suchte er, in der mutmasslichen Voraussicht, dass
die magische Heilkur vielleicht längere Zeit beanspruchen könnte, eine
Privatwohnung.
    »Wohlbekomms!« rief der Verstand, als er abends spät einzog. Und zwei
Gedanken strichen, eifrig miteinander flüsternd, zuäusserst an seinem Geiste
vorüber.
    Der nähere der beiden Gedanken sagte: »Auch wieder einer, der erst ein Bein
abgeschlagen haben will, ehe er Verstand annimmt.«
    Der andere Gedanke aber wartete vorsichtig, bis er außer Bereich war, dann
höhnte er, zurückschauend, die freche Bemerkung: »Weil er halt einfach verliebt
ist«, flüchtete jedoch Hals über Kopf, da Viktor jähgrimmig mit Bengeln nach ihm
warf.
    Den Viktor aber winkte vertraulich die Phantasie beiseite: »Lass sie
schwatzen. Komm, ich will dir etwas zeigen«, und zog sachte einen Vorhang
auseinander, nur etwa drei Finger breit, gerade soviel, dass man durch den Spalt
sehen konnte. Und siehe da, auf einer Bühne standen Pseuda und er selber,
Viktor. Hand in Hand standen sie und sahen einander innig an. Dann sprach sie zu
ihm: »Hoher du, Guter, Selbstloser, alles, was ich dir ohne Sünde gewähren darf,
ist dein, nenns Freundschaft oder nenns Liebe.«
    »Das war nur eine kleine Probe, um dir einen Begriff zu geben«, schmunzelte
die Phantasie, indem sie den Vorhang wieder zuzog, »später zeige ich dir dann
noch viel, viel Schöneres.«
 
                         In der Hölle der Gemütlichkeit
Um der widerspenstigen Dame seine Persönlichkeit zu demonstrieren, musste er vor
allem mit ihr zusammentreffen können, und zwar öfters, womöglich regelmäßig,
denn persönliche Vorzüge sind keine Fernwaffen. Wo? Diese Frage! was einfacher?
Bei ihr daheim natürlich! Wozu hat man denn sonst einen Stattalter? Der
