
ihn mir zu holen, denn euer Recht ist nicht größer als das meinige, nämlich gar
keins! Ich habe das unternommen, und der Fang ist mir gelungen; nun seid ihr an
der Reihe, nichts dagegen zu haben! Anstatt dessen der sehe und höre ich, dass
ihr es wagt, mich um den wohlerworbenen Lohn zu bringen. Ihr seid trotz eurer
Schwäche und Erbärmlichkeit so dreist, ihn mir streitig zu machen. Ihr bezahlt
meine Güte mit Feindschaft, meine Gastfreundlichkeit mit Undank, und es ist für
mich also Pflicht der Selbsterhaltung, dass ich mich gegen euch sicherstelle. Da
ich euch weder durch Güte noch durch ernste Vorstellungen loswerden konnte, muss
ich zu einem andern Mittel greifen, mich eurer zu entledigen. Bis vorhin war ich
gewillt, kein Blut zu vergießen. Ich wollte euch gefesselt hier liegen lassen,
bin aber anderer Meinung geworden. Ihr würdet langsam verschmachtet sein, ohne
dass ich mir die Schuld zu geben hätte, weil ihr gegen meinen Willen mit
hierhergeritten seid. Doch seit ich vorhin gesehen habe, welche Freude es dir
macht, mit eigener Hand das Blut eines Unschuldigen zu vergießen, kann ich euch
denselben Dienst erweisen, ohne mir den geringsten Vorwurf machen zu müssen. Ja,
eine Kugel ist nur die wohlverdiente Strafe für euch, und indem ich euch den Weg
von der Erde zeige, befreie ich die Menschheit von einer Anzahl von Schurken,
welche der allerärgsten Verbrechen fähig sind!«
    Es war gewiss eine sonderbare Logik, welche dieser langen Rede zugrunde lag!
Machte es die Plötzlichkeit, mit welcher der Scheik jetzt seine Feindseligkeit
enthüllte, oder die Angst vor der angedrohten Kugel, kurz, es ließ keiner ein
Wort der Entgegnung hören. Auch der Münedschi war still. Ich kann die Art und
Weise, in der er dem Ben Khalid zugehört hatte, wohl nicht besser bezeichnen,
als indem ich sage, dass er ihm mit den Ohren die Worte von den Lippen las. Seine
blaustrahlenden Augen standen weit auf, und sein Mund war geöffnet; sein Gesicht
schien plötzlich versteinert zu sein, denn kein Zug desselben, kein einziges
Haar seines Bartes wollte sich bewegen. Es war mir mehr, weit mehr als
interessant, ihn zu beobachten. Er hatte das Geständnis des Ghani gehört, ebenso
alles, was von dem Scheik gesagt worden war, und musste nun also wissen, was es
mit dem Kanz el A'da für eine Bewandtnis hatte. Obgleich es wohl eigentlich
nicht nötig ist, will ich doch erwähnen, dass er weder einen Kolbenschlag
empfangen hatte, noch gefesselt worden war. Dieser Gewaltmassregeln bedurfte es
bei ihm, dem Blinden, nicht.
    Während ich den Blick beobachtend auf ihn gerichtet hatte, sah ich, dass die
Starrheit aus
