 nahe, wieder hinab, um die nächste Düne in
eben dieser Weise zu überwinden. Der Schweiß zeigte sich stärker; schon bildete
sich ein weißer Schaumrand an den Lefzen, und - - ja, da hörte ich den ersten,
hastigen, lauten Atemstoss. Es war Zeit, innezuhalten!
    »Yawahsch, yawahsch, yawahsch!« rief ich.
    Maschurah fiel sofort in ein langsameres Tempo, in welchem ich sie aus
Vorsicht noch eine ziemliche Strecke gehen ließ, bis sich wieder ruhiger Atem
zeigte und der Schaum verschwunden war. Dann hielt ich an, stieg ab, liebkoste
sie mit wirklicher Dankbarkeit, denn sie hatte mehr, weit mehr als ihre Pflicht
getan, und gab ihr die Datteln, welche ich für Assil Ben Rih eingesteckt hatte.
Die Art, wie sie mich dabei ansah, war geradezu rührend. Ein solches Kamelauge
hatte ich noch nicht gesehen! Das war nicht die rote Farbe desselben, sondern
der Inhalt des Blickes! Es schien, als ob sie mich fragen wolle, ob ich mit ihr
zufrieden sei. Wahrlich, der Mensch sollte doch stets beherzigen, dass das Tier
auch eine denkende und fühlende Seele besitzt, welche Liebe und Härte vielleicht
tiefer empfindet und besser zu unterscheiden weiß, als wir alle denken! Ich habe
zum Beispiele Beobachtungen gemacht, welche mir bewiesen, dass der Hund ein
schärferer Menschenkenner ist als der Mensch selbst, und wenn das Tier in dieser
Beziehung eine anerkennenswerte Tätigkeit der Seele zeigt, so widerstrebt es
mir auch in anderer Beziehung, es für unfähig zu halten. Und doch, wie gefühllos
verfährt der Mensch gegen seine Mitgeschöpfe, die ebenso wie er ihr Dasein der
Güte des Allliebenden verdanken! Ich glaube nicht, dass er sie dazu geschaffen
hat, versengt, verbrüht, verhungernd und verdürstend, an das Marterbrett
geschnallt, qualgekrümmt und schmerzheulend auf dem Felde des Tierversuches, der
heiligen Vivisektion, zu verenden oder vielmehr, noch lebend schon als Aas
behandelt, zu verrecken! Man verzeihe mir diesen unästetischen, doch wahren
Ausdruck! Ich bin ein Menschenfreund und darum auch ein Tierfreund, und beides
muss und muss und muss ich sein, weil ich als Christ nicht anders kann! Wer als
Tierquäler über diesem Christentum erhaben steht, der mag immerhin über mein
schwaches, lächerlich gefühlvolles Herz aburteilen; ich aber bin ganz froh, dass
ich grad dieses und kein anderes, auch nicht das seinige, habe! Halef würde
sagen: »El Mizan, el Mizan, die Brücke der Gerechtigkeit! Sie misst auch das
kleinste unserer Gefühle!« Und ich gestehe aufrichtig, dass ich, wenn ich ein
Jünger der so inbrünstig festgehaltenen, inevitabeln Vivisektion wäre, mich vor
dieser Wage fürchten würde! Doch weg von dieser Abschweifung, welche vielleicht
Entschuldigung
