, weil schaffenden und nicht zerstörenden - Kampf des Wettbewerbs
versammelt; so viel Kunstwerke und Gewerbewunder waren hier zusammengetragen,
dass sich in jedem Beschauer der Stolz regen musste, in so vorgeschrittener, immer
noch weiteren Fortschritt versprechender Zeit zu leben; und neben diesem Stolz
musste natürlich auch der Vorsatz entstehen, den Gang solcher genussspendenden
Kulturentwickelung nicht mehr durch brutales Vernichtungswüten zu hemmen. Diese
hier als Gäste des Kaisers und der Kaiserin versammelten Könige, Fürsten und
Diplomaten konnten doch bei all' den ausgetauschten Höflichkeiten,
Freundlichkeiten, Glückwünschen nicht daran denken, nächstens mit ihren
Gastgebern oder untereinander Todesgeschosse zu tauschen? ... Nein: ich atmete
auf. Dieses ganze blendende Ausstellungsfest schien mir die Bürgschaft, dass
jetzt eine Ära von langen, langen Friedensjahren begonnen. Höchstens gegen einen
Mongolenüberfall oder so etwas dergleichen konnten diese civilisierten Leute
noch das Schwert ziehen, aber gegeneinander? - das erlebten wir wohl nimmermehr.
Was mich in dieser Auffassung bestärkte, war die Mitteilung, die mir über einen
Lieblingsplan des Kaisers gemacht wurde: allgemeine Abrüstung. Ja, das stand bei
Napoleon III. fest - ich habe es aus dem Munde seiner nächsten Verwandten und
Vertrauten -: bei nächster passender Gelegenheit würde er sämtlichen
europäischen Regierungen den Vorschlag unterbreiten, ihren Heeresstand auf ein
Minimum herabzusetzen. Das ließ sich hören - das war wohl eine vernünftigere
Idee, als diejenige einer allgemeinen Heeresverstärkung. Damit wäre die bekannte
Forderung Kants erfüllt, welche in Paragraph 3 der »Präliminar-Artikel zum
ewigen Frieden« also formuliert ist:
    »Stehende Heere (miles perpetuus) sollen mit der Zeit ganz aufhören.
    Dieselben bedrohen andere Staaten unaufhörlich mit Krieg durch die
    Bereitschaft, immer dazu gerüstet zu scheinen, reizen diese an, sich
    einander in Menge der Gerüsteten, die keine Grenzen kennt (o prophetischer
    Weisenblick!) zu übertreffen, und indem durch die darauf gewendeten Kosten
    der Friede endlich noch drückender wird, als ein kurzer Krieg, so sind sie
    selbst Ursachen von Angriffskriegen, um diese Last los zu werden.«
Welche Regierung konnte einen Vorschlag, wie der Franzose ihn plante, ablehnen,
ohne sich als eroberungssüchtig zu entlarven? Welches Volk würde gegen solche
Ablehnung nicht revoltieren? Der Plan musste gelingen.
    Friedrich teilte meine Zuversicht nicht:
    »Vor Allem bezweifle ich,« sagte er, »dass Napoleon diesen Vorsatz auch
aufrichtig hegt. Und wenn auch: der Druck der Kriegspartei würde ihn an der
Ausführung hindern. Überhaupt werden die Troninhaber an der Betätigung
solcher, aus der Schablone fallender großer Willensmeinungen von ihrer Umgebung
immer gehindert. Zweitens lässt sich einem lebenden Wesen nicht so mir nichts,
dir nichts befehlen, dass es aufhöre zu sein. Da setzt es sich zur Wehr.«
    »Von welchem lebenden Wesen sprichst Du?«
    »
