 des animialischen Lebens betont, die
Naturgeschichte des Menschenviehs. Es regnete Ohrfeigen und Nasenstüber. Indem
er die bübisschen Begierden der Sinnesmenschen entblößte, ekelte sich dieser
Faust-Mephisto und hatte doch auch »seine Freude dran«.
    Das Ganze bildete einen einzigen Aphorismus, ein riesenhaftes Monodrama,
einen von innerer Handlung unablässig bewegten Monolog. Diesem tragischen
Humoristen zerflatterte das Stoffliche oft zwischen den Fingern und löste sich
in psychologische Tüftelei auf. Die geringfügigsten Ereignisse spann der
Reflexionspoet mit keckem Sichgehenlassen zu wichtigen Abhandlungen und
schlachtete das Unmerkliche als Stoff unendlicher Betrachtungen aus. So ging
seine Laune ihren eigenen störrigen Maulesel-Trab, immer drauflos durch Blumen,
Gemüsegärten, Disteln und Nesseln. Sie war nicht wählerisch. Duften die Rosen,
so schlürft sie das Arom ein, und duftet der Mist, so findet sie darin einen
eigenartigen Haut-Goût.
    Die Leichtigkeit in Führung der psychologischen Entwickelung, die sichere
feste Hand in Urbarmachung des unbegrenzten gedanklichen Gebiets wurde
unterstützt durch den genialen Blick für Rassenmerkmale, die fruchtbare
kosmopolitische Bildung des Denkers. Überall erhoben sich reine Formgedanken in
lichtem plastischem Marmor - statt schönheitsfroher Harmonie vernahm man
freilich mystische Orgelklänge einer verschnörkelten Symbolik.
    Doch schmolz sich das kalt Abstrakte überall vor dieser belebenden
Schöpferwärme in reale Gestalten um, welche sich nur indirekt, indem sich das
Begriffliche verdichtete, zu plastischen Allegorieen herausmeisselten. Diese bis
zur höchsten Potenz gesteigerte Phantasiekraft setzte sich zu der Bewegung der
Weltkörper in Schwingung und möchte das All reflektiv umspannen, ohne dass sie je
Gefahr lief, sich im Allgefühl zu verlieren. Diese titanische Individualität
sammelte die durch zahllose Kanäle sich hinwindende Reflexion zu klarem Strom
und durchflutete das Naturganze des Weltorganismus selbst wie eine besondere
Weltseele, immanent der inneren Unteilbarkeit der Dinge.
    Hier wagte sich wieder einmal ein Viking-Skalde hinaus in die offene See,
als Wrack umhergeschlendert und in brüllendem Orkan wie in warmem Sonnenschein
von der unheimlichen Flut gewiegt, welche in immer gleicher fühlloser Schönheit
uns alle von dannen spült. Wie die alten Seekönige kreuzte er von Küste zu
Küste, wie Odin aus Sagas goldenem Methorn berauscht. Auf seiner Hochzeitsreise
mit der wilden Walküre Wahrheit verbrannte er denn sich selbst und sein
Drachenschiff im Feuerwerk cynischer Selbstvernichtung.
    - - Wäre dies außerordentliche Geistesprodukt aus der Feder eines Lebenden
geflossen, so hätte man die nervig-drastische Methode Leonharts, die minutiöse
Ausmalung psychologischer Wandlungen durch Zusammenscharrung ganzer
Dokumentbiblioteken, um die Illusion absoluter Lebenswahrheit zu erwecken, als
langweilige Weitschweifigkeit benörgelt. Eine unreife Baby-Aestetik hätte die
erotischen Szenen des Buches, welche die tiefste philosophische Absicht bargen,
als brutalen Cynismus denunzirt. Ja, die unreifen Janitscharen der bespeichelten
Modehelden hätten gar all dies Erdichtete für »Bekenntnisse einer schönen Seele«
oder direkte Rousseausche Konfessions genommen und demgemäss erläutert. Die
Salon-Tätteler, die akademischen
