!
    Keineswegs! Ich habe Dir vielmehr sehr bestimmt gesagt, erinnerte Seba, dass
Du ihn an seine Kindheit nicht erinnern mögest, weil sie nicht glücklich gewesen
ist, und dass Du ihn aus demselben Grunde nicht um seine Familienverhältnisse
befragen sollst. Er hat seine Mutter früh verloren.
    So ist es ja auch mir ergangen! wendete Davide mit jener dreisten
Beharrlichkeit ein, welche der Jugend niemals fehlt, wo sie durch Erforschung
eines ihr verborgen Gehaltenen ihren Willen durchzusetzen und sich das Recht
einer Mitwissenschaft zu erkaufen für nötig hält. Ich habe meine arme Mutter
auch früh verloren, aber ich habe es eben deshalb gern, wenn Du mir von ihr
erzählst, oder wenn sonst Jemand, der sie gekannt hat, zu mir von ihr redet! Mit
Baron Renatus ist es eben so; nur mit diesem Herrn Tremann soll es anders sein,
nur mit ihm machst Du eine Ausnahme, und statt dass ich mich freuen sollte, wenn
er kommt, denke ich also immer nur daran, dass Ihr mich noch wie ein kleines Kind
behandelt und dass ich nicht einmal weiß, woher er stammt, den Du doch von allen
Menschen, den Vater ausgenommen, am liebsten hast!
    Der gereizte Ton in ihren Worten befremdete Seba. Es war das erste Mal, dass
sie ihn an ihrer Pflegetochter zu beobachten hatte, und sie wusste sich die
Quelle, aus welcher er entspringen konnte, nicht gleich zu erklären. Blosse
Neugier konnte es nicht sein, die würde sich leichter und heiterer geäußert
haben; an die Eifersucht, mit welcher sie Davide so eben geneckt hatte, glaubte
Seba eben so wenig ernstaft; aber wie man an einem reinen Spiegel keine Trübung
dulden mag, lag es ihr daran, in des jungen Mädchens Seele keinen Zweifel und
kein Misstrauen aufkommen zu lassen, und sanft, wie es ihre Weise war, sagte sie:
Du bist nicht offen mit mir, Davide; Du sprichst dich in einen Zorn hinein, den
Du vernünftiger Weise gar nicht fühlen kannst, und zeigst mir ein Misstrauen, das
noch weit törichter ist, als jener Zorn. Du machst mir den Vorwurf, Dir etwas
zu hinterhalten, was ich Dir möglicher Weise hinterhalten muss, weil ich nicht
Herr darüber bin, während Du mir Deine wahre Meinung und die wahren Gründe der
Aufregung verbirgst, in der Du Dich befindest. So sollte es zwischen mir und Dir
nicht sein!
    Da sprang Davide plötzlich von ihrem Sessel auf, fiel vor Seba auf die
Kniee, und ihr Gesicht in ihrem Schoss verbergend, während sie den Leib der
Tante mit beiden Armen umschlang, fing sie zu weinen an.
    Was soll das, Kind, was soll das? rief Seba, während sie das junge Mädchen
zu sich empor zu
