 ist, dass nicht später wieder
Beschädigungen eintreten. In dem unteren Raume wurden die größeren Holzkörper
aufbewahrt, in dem oberen die kleineren und feineren. Ich konnte sehen, wie sehr
es Ernst mit der Anlegung dieses Werkhauses war; denn ich fand in dem
Trockenhause nicht nur einen sehr großen Vorrat von Holz, sondern auch fast alle
Gattungen der inländischen und ausländischen Hölzer. Ich hatte hierin von der
Zeit meiner naturwissenschaftlichen Bestrebungen her einige Kenntnis. Außerdem
war das Holz beinahe durchgängig schon in die vorläufigen Gestalten geschnitten,
in die es verarbeitet werden sollte, damit es auf diese Weise zu hinreichender
Beruhigung austrocknen konnte. Mein Begleiter zeigte mir die verschiedenen
Behältnisse und erklärte mir im allgemeinen ihren Inhalt.
    In dem unteren Raume sah ich Lärchenholz zu sehr großen, seltsamen Gestalten
verbunden, gleichsam zu schlanken Gerüsten, Rahmen und dergleichen, und fragte,
da ich mir die Sache nicht erklären konnte, um ihre Bedeutung.
    »In unserem Lande«, antwortete mein Begleiter, »sind mehrere geschnitzte
Altäre. Sie sind alle aus Lindenholz verfertigt, und einige von bedeutender
Schönheit. Sie stammen aus sehr früher Zeit, etwa zwischen dem dreizehnten und
fünfzehnten Jahrhunderte, und sind Flügelaltäre, welche mit geöffneten Flügeln
die Gestalt einer Monstranze haben. Sie sind zum Teile schon sehr beschädigt,
und drohen, in kürzerer oder längerer Zeit zu Grunde zu gehen. Da haben wir nun
einen auf meine Kosten wiederhergestellt, und arbeiten jetzt an einem zweiten.
Die Holzgerüste, um die Ihr fragtet, sind Grundlagen, auf denen Verzierungen
befestigt werden müssen. Die Verzierungen sind noch ziemlich erhalten, ihre
Grundlagen aber sind sehr morsch geworden, weshalb wir neue anfertigen müssen,
wozu Ihr hier die Entwürfe seht.«
    »Hat man Euch denn erlaubt, in einer Kirche einen Altar umzugestalten?«
fragte ich.
    »Man hat es uns erst nach vielen Schwierigkeiten erlaubt,« antwortete er,
»wir haben aber die Schwierigkeiten besiegt. Besonders kam uns das Misstrauen in
unsere Kenntnisse und Fähigkeiten entgegen, und hierin hatte man recht. Wohin
käme man denn, wenn man an vorhandenen Werken vorschnell Veränderungen anbringen
ließe. Es könnten ja da Dinge von der größten Wichtigkeit verunstaltet oder
zerstört werden. Wir mussten angeben, was wir verändern oder hinzufügen wollten,
und wie die Sache nach der Umarbeitung aussehen würde. Erst da wir dargelegt
hatten, dass wir an den bestehenden Zusammenstellungen nichts ändern würden, dass
keine Verzierung an einen andern Platz komme, dass kein Standbild an seinem
Angesichte, seinen Händen oder den Faltungen seines Gewandes umgestaltet werde,
sondern dass wir nur das Vorhandene in seiner jetzigen Gestalt erhalten wollen,
damit es nicht weiter zerfallen könne, dass wir den Stoff, wo er gelitten hat,
mit Stoff erfüllen wollen, damit die Ganzheit desselben
