 diese Worte gerichtet waren, erhob sich von seiner
Arbeit, und zeigte uns ein ruhiges, gefälliges Wesen. Er legte die grüne
Tuchschürze ab, welche er vorgebunden hatte, und ging aus seiner Arbeitsstelle
zu uns herüber. Es befand sich neben dieser Stelle in der Wand eine Glastür,
hinter welcher grüne Seide in Falten gespannt war. Diese Tür öffnete er und
führte uns in ein freundliches Zimmer. Das Zimmer hatte einen künstlich
eingelegten Fußboden, und enthielt mehrere breite glatte Tische. Aus der Lade
eines dieser Tische nahm der Mann eine große Mappe mit Zeichnungen, öffnete sie,
und tat sie auf der Tischplatte auseinander. Ich sah, dass diese Zeichnungen für
mich zum Ansehen heraus genommen worden waren, und legte daher die Blätter
langsam um. Es waren lauter Zeichnungen von Bauwerken, und zwar teils im Ganzen,
teils von Bestandteilen derselben. Sie waren sowohl, wie man sich ausdrückt, im
Perspektive ausgeführt als auch in Aufrissen, in Längen und Querschnitten. Da
ich mich selber geraume Zeit mit Zeichnen beschäftigt hatte, wenn auch mit
Zeichnen anderer Gegenstände, so war ich bei diesen Blättern schon mehr an
meiner Stelle als bei den alten Geräten. Ich hatte immer bei dem Zeichnen von
Pflanzen und Steinen nach großer Genauigkeit gestrebt, und hatte mich bemüht,
durch den Schwarzstift die Wesenheit derselben so auszudrücken, dass man sie nach
Art und Gattung erkennen sollte. Freilich waren die vor mir liegenden
Zeichnungen die von Bauwerken. Ich hatte Bauwerke nie gezeichnet, ich hatte sie
eigentlich nie recht betrachtet. Aber andererseits waren die Linien, die hier
vorkamen, die von großen Körpern, von geschichteten Stoffen und von ausgedehnten
Flächen, wie sie bei mir auch an den Felsen und Bergen erschienen; oder sie
waren die leichten Wendungen von Zieraten, wie sie bei mir die Pflanzen boten.
Endlich waren ja alle Bauwerke aus Naturdingen entstanden, welche die Vorbilder
gaben, etwa aus Felsenkuppen oder Felsenzacken oder selbst aus Tannen, Fichten
oder anderen Bäumen. Ich betrachtete daher die Zeichnungen recht genau, und sah
sie um ihre Treue und Sachgemässheit an. Als ich sie schon alle durchgeblättert
hatte, legte ich sie wieder um, und schaute noch einmal jedes einzelne Blatt an.
    Die Zeichnungen waren sämtlich mit dem Schwarzstifte ausgeführt. Es war
Licht und Schatten angegeben, und die Linienführung war verstärkt oder gemässigt,
um nicht bloß die Körperlichkeit der Dinge, sondern auch das sogenannte
Luftperspektive darzustellen. In einigen Blättern waren Wasserfarben angewendet,
entweder, um bloß einzelne Stellen zu bezeichnen, die eine besonders starke oder
eigentümliche Farbe hatten, wie etwa, wo das Grün der Pflanzen sich auffallend
von dem Gemäuer, aus dem es sprosste, abhob, oder wo der Stoff durch Einfluss von
Sonne oder Wasser eine ungewöhnliche Farbe erhalten hatte,
