 Ich scheute mich sehr, die
Versuche vorzulegen, ich tat es aber doch, und zwar zu einer Zeit, da auch
Eustach zugegen war. Als Einleitung erklärte ich, wie ich nach und nach dazu
gekommen wäre, diese Dinge zu machen.
    »Es geht allen so, welche die Gebirge öfter besuchen, und welche
Einbildungskraft und einiges Geschick in den Händen haben,« sagte mein
Gastfreund, »Ihr braucht Euch deshalb nicht beinahe zu entschuldigen, es war zu
erwarten, dass Ihr nicht bloß bei Eurem Sammeln von Steinen und Versteinerungen
bleiben werdet, es ist so in der Natur, und es ist so gut.«
    Die Entwürfe wurden mit viel mehr Ernst und Genauigkeit durchgenommen, als
sie verdienten. Da sowohl mein Gastfreund als auch Eustach jedes Blatt öfter
betrachtet hatten, sprachen sie mit mir darüber. Ihr Urteil ging einstimmig
darauf hinaus, dass mir das Naturwissenschaftliche viel besser gelungen sei als
das Künstlerische. Die Steine, die sich in den Vordergründen befänden, die
Pflanzen, die um sie herum wüchsen, ein Stück alten Holzes, das da läge, Teile
von Gerölle, die gegen vorwärts säßen, selbst die Gewässer, die sich unmittelbar
unter dem Blicke befänden, hätte ich mit Treue und mit den ihnen eigentümlichen
Merkmalen ausgedrückt. Die Fernen, die großen Flächen der Schatten und der
Lichter an ganzen Bergkörpern und das Zurückgehen und Hinausweichen des
Himmelsgewölbes seien mir nicht gelungen. Man zeigte mir, dass ich nicht nur in
den Farben viel zu bestimmt gewesen wäre, dass ich gemalt hätte, was nur mein
Bewusstsein an entfernten Stellen gesagt, nicht mein Auge, sondern dass ich auch
die Hintergründe zu groß gezeichnet hätte, sie wären meinen Augen groß
erschienen, und das hätte ich durch das Hinaufrücken der Linien angeben wollen.
Aber durch beides, durch Deutlichkeit der Malerei und durch die Vergrößerung der
Fernen, hätte ich die letzteren näher gerückt und ihnen das Grossartige benommen,
das sie in der Wirklichkeit besässen. Eustach riet mir, eine Glastafel mit
Kanadabalsam zu überziehen, wodurch sie etwas rauer würde, so dass Farben auf
ihr haften, ohne dass sie die Durchsichtigkeit verlöre, und durch diese Tafel
Fernen mit den an sie grenzenden näheren Gegenständen mittelst eines Pinsels zu
zeichnen, und ich würde sehen, wie klein sich die größten und ausgedehntesten
entfernten Berge darstellten, und wie groß das zunächstliegende Kleine würde.
Dieses Verfahren aber empfehle er nur, damit man zur Überzeugung der
Verhältnisse komme und einen Maßstab gewinne, nicht aber, dass man dadurch
künstlerische Aufnahmen von Landschaften mache, weil durch einen solchen Vorgang
die künstlerische Freiheit und Leichtigkeit verloren würde, welche in Bezug auf
Darstellung das Wesen und das Herz der Kunst sei. Das Auge soll nur geübt und
unterrichtet werden, die Seele müsse schaffen
