 sich das Leben erfülle
und beglücke«, antwortete er. »Weil die Menschen nur ein Einziges wollen und
preisen, weil sie, um sich zu sättigen, sich in das Einseitige stürzen, machen
sie sich unglücklich. Wenn wir nur in uns selber in Ordnung wären, dann würden
wir viel mehr Freude an den Dingen dieser Erde haben. Aber wenn ein Übermaß von
Wünschen und Begehrungen in uns ist, so hören wir nur diese immer an und
vermögen nicht die Unschuld der Dinge außer uns zu fassen. Leider heißen wir sie
wichtig, wenn sie Gegenstände unserer Leidenschaften sind, und unwichtig, wenn
sie zu diesen in keinen Beziehungen stehen, während es doch oft umgekehrt sein
kann.«
    Ich verstand dieses Wort damals noch nicht so ganz genau, ich war noch zu
jung, und hörte selber oft nur mein eigenes Innere reden, nicht die Dinge um
mich.
    Gegen Mittag kam derjenige meiner Koffer, den ich in das Rosenhaus bestellt
hatte. Ich packte ihn aus, und zeigte Gustav, der mich besuchte, manche Bücher,
Zeichnungen und andere Dinge, die er enthielt, und richtete mich in meinem
Zimmer häuslich ein.
    So gingen nun mehrere Tage dahin.
    In diesem Hause war jeder unabhängig und konnte seinem Ziele zustreben. Nur
durch die gemeinsame Hausordnung war man gewissermaßen zu einem Bande verbunden.
Selbst Gustav erschien völlig frei. Das Gesetz, welches seine Arbeiten regelte,
war nur einmal gegeben, es war sehr einfach, der Jüngling hatte es zu dem
seinigen gemacht, er hatte es dazu machen müssen, weil er verständig war, und so
lebte er danach.
    Gustav bat mich sehr, ich möchte einmal seinem Unterrichte in der Naturlehre
beiwohnen. Ich sagte es meinem Gastfreunde, und dieser hatte nichts dawider. So
war ich dann nicht einmal, sondern mehrere Male bei diesem Unterrichte zugegen.
Mein alter Gastfreund saß in einem Lehnsessel und erzählte. Er beschrieb eine
Erscheinung, er machte die Erscheinung recht deutlich, zeigte sie, wenn es
möglich war, mit den Vorrichtungen seiner Sammlung, oder wo dies nicht möglich
war, suchte er sie durch Zeichnung oder Versinnbildlichung darzustellen. Dann
erzählte er, auf welchem Wege die Menschen zur Kenntnis dieser Erscheinung
gekommen waren. Wenn er dieses vollendet hatte, tat er das gleiche mit einer
zweiten, verwandten Erscheinung. Und wenn er nun einen Kreis von
zusammengehörigen Erscheinungen, der ihm hinlänglich schien, ausgeführt hatte,
dann hob er dasjenige, was allen Erscheinungen gleichartig ist, hervor und
stellte die Grunderscheinung oder das Gesetz dar. Bei diesem Unterrichte wurde
nicht ein gewisses Buch zu Grunde gelegt, sondern Gustav schrieb später das, was
ihm erzählt worden war, aus dem Gedächtnisse auf, der alte Mann besserte es dann
in seiner Gegenwart aus,
