 Zeichnungen gesehen hatte. Auf meiner Reise
von dem Rosenhause in das Gebirgstal, in welchem ich mich später aufgehalten
hatte, und von diesem Gebirgstale bis zu dem Schiffe, das mich zur Heimreise
aufnehmen sollte, war mir nichts besonders Betrachtenswertes vorgekommen. Nur
einige Wegsäulen sehr alter Art erinnerten an die reinen und anspruchlosen
Gestalten, wie ich sie bei dem Meister auf dem reinen Papier mit reinen Linien
gesehen hatte. Aber in der Nische der einen Wegsäule war statt des Standbildes,
das einst darinnen gewesen war, und auf welches der Sockel noch hinwies, ein
neues Gemälde mit bunten Farben getan worden, in der anderen fehlte jede
Gestalt. Auf meiner Stromesfahrt kam ich wohl an Kirchen und Burgen vorüber, die
der Beachtung wert sein mochten, aber mein Zweck führte mich in dem Schiffe
weiter. An dem Erzdome sah ich beinahe alle Gestalten von Verzierungen, Simsen,
Bögen, Säulen und größeren Teilwerken, wie ich sie auf dem Papier im Rosenhause
gesehen hatte. Es ergötzte mich, in meiner Erinnerung diese Gestalten mit den
gesehenen zu vergleichen und sie gegenseitig abzuschätzen.
    Auch in Beziehung der Edelsteine fiel mir das ein, was der alte Mann in dem
Rosenhause über die Fassung derselben gesagt hatte. Es gab Gelegenheit genug,
gefasste Edelsteine zu sehen. In unzähligen Schaufenstern der Stadt liegen
Schmuckwerke zur Ansicht und zur Verlockung zum Kaufe aus. Ich betrachtete sie
überall, wo sie mir auf meinem Wege aufstiessen, und ich musste denken, dass der
alte Mann recht habe. Wenn ich mir die Zeichnungen von Kreuzen, Rosen, Sternen,
Nischen und dergleichen Dingen an mittelalterlichen Baugegenständen, wie ich sie
im Rosenhause gesehen hatte, vergegenwärtigte, so waren sie viel leichter,
zarter und, ich möchte den Ausdruck gebrauchen, inniger als diese Sachen hier,
und waren doch nur Teile von Bauwerken, während diese Schmuck sein sollten. Mir
kam wirklich vor, dass sie, wie er gesagt hatte, unbeholfen in Gold und
unbeholfen in den Edelsteinen seien. Nur bei einigen Verkaufsorten, die als die
vorzüglichsten galten, fand ich eine Ausnahme. Ich sah, dass dort die Fassungen
sehr einfach waren, ja dass man, wenn die Edelsteine einmal eine größere Gestalt
und einen höheren Wert annahmen, schier gar keine Fassung mehr machte, sondern
nur so viel von Gold oder kleinen Diamanten anwendete, als unumgänglich nötig
schien, die Dinge nehmen und an dem menschlichen Körper befestigen zu können.
Mir schien dieses schon besser, weil hier die Edelsteine allein den Wert und die
Schönheit darstellen sollten. Ich dachte aber in meinem Herzen, dass die
Edelsteine, wie schön sie auch seien, doch nur Stoffe wären, und dass es viel
vorzüglicher sein müsste, wenn man sie, ohne dass ihre Schönheit einer Eintrag
erhielte, doch
