 was unsere Zunge
ausspricht, ist nur ein Ausdruck für das, was unserer Seele eingeprägt ist. Der
Begriff einer Sache aber ist früher vorhanden als der Ausdruck, und somit die
Sache höher zu schätzen denn das Wort. Wo aber der Sinn dunkel, sollst du ihm
mit Geduld und erläuterndem Verstand behilflich sein, die wahre Meinung zu
ermitteln.«
    Folgte sodann ein Schwall klassischer Beispiele von ungeschicktem und
nachlässigem Ausdruck des Gedankens, deren Reihe mit dem Spruch des Apostels
schließt, der sich selber ungeschickt im Reden, aber nicht ungeschickt an Wissen
genannt.
    »Betrachtet man hienach das Benehmen meines sanktgallischen Widersachers, so
möchte man glauben, er sei einmal in den Garten eines weisen Mannes eingebrochen
und habe vom Mistbeet einen Rettich gestohlen, der ihm den Magen verdorben und
Galle angesetzt. Hüte darum jeder sein Gärtlein vor solchen Gesellen! Schlechte
Gespräche verderben gute Sitten.
    Möglich auch, dass er durchaus nicht anders sich benehmen konnte. Er hat wohl
den ganzen Tag in den Schlupfwinkeln seiner Kutte nachgesucht, womit er den
Gastfreund bewirten möge, aber weil er nichts anderes als verborgene List und
Bosheit drin vorfand, setzte er eben davon ein Pröbchen vor. Schlechte Menschen
haben schlechte Schätze.
    Mit solchem Wesen stimmt denn sein äußeres Erscheinen, das wir sorgsam zu
mustern nicht unterliessen. Sein Antlitz trug einen fahlen Glanz wie schlechtes
Metall, das zur Fälschung des echten dient, seine Haare gekräuselt, die Kapuze
feiner und sauberer denn nötig, die Schuhe leicht - auf dass alle Anzeichen
vorhanden, die dem heiligen Hieronymus Ärgernis gaben, da er schrieb: Leider
sind auch in meinem Sprengel etliche Kleriker, deren Sorge darauf gerichtet ist,
ob ihre Kleider herrlich duften, die Nägel ihrer Finger glänzen, das krause
Haupthaar mit Balsam gesalbt und gesänftigt sei und der gestickte Schuh knapp am
Füsslein sitze. Ein solcher Aufzug geziemt sich aber kaum für einen Stutzer und
Bräutigam, geschweige für einen Geweihten des Herrn.
    Weiter hab' ich erwogen, ob nicht auch der Laut seines eigenen Namens mit
seiner Handlungsweise übereinstimme. Und wie? Ekkehard oder Akhar hieß der Mann,
als wäre ihm schon bei der Taufe der Name eines Übeltäters vorahnungsvoll
aufgeprägt worden. Denn wer kennt nicht jenen Akhar, der aus der Beute von
Jericho einen purpurnen Mantel entwendet und zweihundert Beutel Silbers samt
einer güldenen Rute, also dass ihn Josua hinausführen ließ in ein abgelegen Tal
und ganz Israel steinigte ihn, und alles, was er hatte, ward mit Feuer
verbrannt? Solchen Vorgängers hat sich der Akhar von Sankt Gallen würdig
erzeigt, dieweil, wer die Gebote einer höflichen Lebensart verachtet, so übel
tut als ein Dieb: er veruntreut das Gold wahrer Weisheit.
    Wäre es erlaubt, an die Seelenwanderung des Pythagoras zu glauben, so stünde
außer allem
