 nur als Normalmann,
nicht als einer von denen gesprochen, welche Religionen stiften oder säubern und
die Welt verändern, wenn er sagte, er könne kein Weib ansehen, ohne ihrer zu
begehren! Erst durch ein Weib, welches durch spezifisches Wesen, durch Reinheit
von allem eigensinnigen, kränklichen und absonderlichen Beiwerke eine
Darstellung einer ganzen Welt von Weibern ist, durch ein Weib von so
unverwüstlicher Gesundheit, Heiterkeit, Güte und Klugheit wie diese Rosalie -
kann ein kluger Mann für immer gefesselt werden. Wie beschämt sehe ich nun ein,
welche vergängliche Spezialität, welch phänomenartiges Wesen ich in dieser Agnes
mir zu verbinden im Begriffe war! Du aber schäme dich ebenfalls, als solch ein
zierlich entworfenes, aber noch leeres Schema in der Welt umherzulaufen wie ein
Schatten ohne Körper! Suche, dass du endlich einen Inhalt, eine solide Füllung
bekommst, anstatt anderen mit deinem Wortgeklingel beschwerlich zu fallen!«
    Vielfach beleidigt schwieg Heinrich eine Weile; er war tief gereizt, und es
kochte und gärte gewaltig in ihm; denn er war in seinem besten Bewusstsein
angegriffen und fühlte sich um so verletzter und verwirrter, als in Ferdinands
Worten etwas lag, das er im Augenblick nicht zu erwidern wusste. Der genossene
Wein und die nun schon vierundzwanzigstündige ununterbrochene Aufregung taten
auch das Ihrige, seine Lust, die Sache vollends auszufechten, zu entflammen, und
er begann daher wieder mit entschiedener Stimme: »Nach deiner vorhinnigen
Äußerung zu urteilen, bist du also nicht sehr willens, dem Mädchen die
Hoffnungen, die du ihr leichtsinnigerweise angeregt, zu erfüllen?«
    »Ich habe keine Hoffnungen angeregt«, sagte Lys, »ich bin frei und meines
Willens Herr, gegen ein Weib sowohl wie gegen alle Welt! Übrigens werde ich für
das gute Kind tun, was ich kann, und ihr ein wahrer und uneigennütziger Freund
sein, ohne Ziererei und ohne Phrasen! Und zum letztenmal gesagt Kümmere dich
nicht um meine Liebschaften, ich weise es durchaus ab!«
    »Ich werde mich aber darum kümmern«, rief Heinrich, »entweder sollst du
einmal Treue und Ehre halten, oder ich will es dir in die Seele hinein beweisen,
dass du unrecht tust! Das kommt aber nur von dem trivialen trostlosen Ateismus!
Wo kein Gott ist, da ist kein Salz und kein Schmalz, nichts als haltloses Zeug!«
    Ferdinand lachte laut auf und rief: »Nun, dein Gott sei gelobt! Dacht ich
doch, dass du endlich noch in diesen glückseligen Hafen einlaufen würdest! Ich
bitte dich aber jetzt, grüner Heinrich, lass den lieben Gott aus dem Spiele, der
hat hier ganz und gar nichts damit zu tun! Ich versichere dich, ich würde mit
oder ohne Gott ganz der gleiche sein! Das
