 man die Dichter mit Lerchen vergleicht.«
    »Sie wollen sie lieber mit Nachtigallen vergleichen,« sagte die Lupinus
spitz, »die aus der Nacht ihrer Einsamkeit ihre Töne schmettern lassen, wenn es
ihnen eben bequem ist, eigensinnig, qu'importe wer sie hört.«
    »Es mag auch manches Andere ihn verstimmt haben,« sagte Walter noch ungewiss,
wohin die Geheimrätin steuerte. »Ihre Majestät die Königin hätte ihn gern
hierher gezogen.«
    »Meinen Sie nicht auch, ein Genius wie seiner wäre in unserem Staube,
unserer Kritik, an unserer Hofluft untergegangen? In Weimar tront er in einem
Tempel, hier hätte er Tempeldienste verrichten müssen. Es fehlt hier an der
rechten Sonne, meinen Sie nicht auch? Und noch immer so viel Rücksichten,
Bedenklichkeiten. Es sieht Einer den Andern an, wenn er in die Gesellschaft
tritt, und wenn er ihn noch nicht gesehen, fragt er zuerst, ob er auch zu ihm
gehört? Mein Gott! Diese Geburts- und Standesunterschiede müssten doch
verschwinden, wenn die rechte Sonne des Geistes in einem Centralpunkt auf Alle
schiene, gleich wie in einem Saal die Kerzen an den Seitenwänden keinen Schatten
werfen, wenn ein voller Kronleuchter Alle von oben beleuchtet. So könnte ich mir
das Haus der Herzogin denken. Aber sie ist nur eine passagere Erscheinung, und
dann ladet sie doch auch nur eine gewisse Elite ein, es ist auch noch manches
andere da, doch passons là-dessus. Ebenso können die Kreise der geistreichen
Jüdinnen nicht dominirend werden, es stößt sich doch Mancher daran.«
    Jetzt wusste van Asten, wohin die Geheimrätin steuerte. Warum sollte er
nicht in ihre Wünsche eingehen! Es war keine Sünde gegen die Wahrheit, dass er es
für verdienstlich erklärte, wenn eine Dame ihr Haus als Vereinigungspunkt für
die Notabilitäten der Intelligenz öffne, eine Dame, die mit klarem Verstande,
Belesenheit, seiner Sensualität, und durch den Stand ihres Gatten und ihre
eigene Geburt dazu wie berufen scheine.
    »Sie scherzen! Das könnte eine Jede, wenn sie wollte. Im Übrigen, was ist
es denn auch besonderes, wenn man etwas anders aussieht, als diese ehrbaren
Hausfrauen, die vom Bügeln und Kinderwiegen noch echauffirt scheinen, wenn sie
ihr Gesellschaftskleid angelegt haben. Denn allerdings kommt mir Manche vor,
wenn sie nach dem Kuchenteller den Arm ausstreckt, als mache sie eine Bewegung,
um ein Stück Wäsche über die Leine zu werfen. Und dann, lieber van Asten, Sie
spielen auf meine Herkunft an. Ich bitte Sie, um Gottes Willen, nur davon
nichts, dass ich von Adel bin. Über diese Unterscheidungen sind wir doch hinaus.
Sie wissen, dass ich meinen Namen ohne Tränen einem Bürgerlichen hingeopfert
habe
