 finden. Einer wohllöblichen
Polizei war es keineswegs entgangen, dass das Haus einer jetzt viel genannten
Dame zu Verdacht Anlass gab. Sie vigilirte vielmehr auf dasselbe, um beim ersten
gegründeten Anlass einschreiten zu können. Bei dem wirklichen oder angeblichen
Stande der Bewohnerin, und den unverdächtigen Attesten, welche dieselbe von
auswärtigen Obrigkeiten mitgebracht, Staaten, mit denen unsere Regierung in
Frieden lebt, war es indes unzulässig, auf bloßen Verdacht hin einzuschreiten.
Wer dies doch für gerechtfertigt hielte, teilt nicht unsere Ansicht von dem,
was einer wohlgeordneten Staatsbehörde obliegt. Diesem Umstande ist's
zuzuschreiben, dass es der gedachten Frau gelang, unbefangene Gemüter zu
täuschen, wir wissen kaum, was wir mehr bedauern sollen, dass es ihr gelang,
einen durch seinen strengen religiösen Sinn und seine Kanzelberedsamkeit gleich
ausgezeichneten Geistlichen mit seiner Familie in ihrem Hause, unter dem Schilde
der Gastfreundschaft aufzunehmen, oder dass sie die sittsame Tochter höchst
verehrter Eltern, und eines unserer bewährtesten Staatsbeamten in ihr Haus zu
verlocken wusste. Der traurige, oder wenn wir wollen, glückliche Vorfall, der
sich hierauf ereignete, ist bekannt. Übrigens hätte es dieses Vorfalls nicht
bedurft; denn, wie die Erscheinung des Kommissars im selben Augenblick Jeden
überzeugen sollte, der Augen dafür hat, hatte die Polizei schon die Beweise in
der Stille gesammelt, die jetzt ihr Einschreiten rechtfertigten. Die Anwesenheit
einer oder mehrerer angesehener Personen in dem Hause gibt zwar für diejenigen,
welche am Argen Wohlgefallen haben, willkommene Nahrung. Wir lassen ihnen dieses
Vergnügen, teilen aber mit jedem Gutgesinnten, der diese Herren kennt, die
Überzeugung, dass sie nur in dem löblichsten Zwecke sich an den Ort begeben
hatten. Der eine dieser Herren hat seine edle Absicht bekundet, indem er das
Opfer der Intrigue, unbekümmert um die Insulten des Pöbels, von dem man doch
nicht fordern darf, dass er den Schein von der Wahrheit unterscheide, aus dem
Hause und ihren betrübten Eltern zugeführt hat. Wir zweifeln gar nicht, dass auch
dies zu bösen Nachreden Anlass geben wird, ebenso der Umstand, dass ein gewisser
Herr in dem geräumten Quartier über Nacht zurückblieb, um Kollisionen von
außerhalb auf die Spur zu kommen, wenn man gleich weiß, dass durch seine
aufopfernde Vermittlung diejenige Person endlich arretirt wurde, welche den
Unfug in dem Hause veranlasst, ja, wir sind auch davon überzeugt, dass die in
letzter Nacht erfolgte Flucht der verhafteten Dame aus dem Gefängnis einer
Intrigue wird zugeschrieben werden. Indem wir unser Bedauern über derartige
Insinuationen nicht verbergen und in der Leichtgläubigkeit, mit der das Publikum
auf sie horcht, eine tiefere Immoralität als in der gerügten betrauern, sind wir
doch des Glaubens, dass der größere und bessere Teil des Publikums sich davon
nicht täuschen lassen und das Vertrauen sich
