; und ich
erzählte ihm alles; denn ich wusste alles, jed Lüftchen, was sich erhoben hatte,
und wie der Mond durch die Luken und Bogen hinter den Bergfesten geschimmert
hat, und alles, und er frug auch, was wir gesprochen, ich sagte: nichts oder nur
wenig Worte, denn es sei die ganze Natur so schweigend gewesen. - Und wie er
alles ausgeforscht hatte, da ging er fort und sperrte mich ein und sagte, ich
sollt ein Gedicht davon machen, grad so wie ich's erzählt habe, und sollt es nur
aufschreiben immer in kurzen Sätzen, wenn es sich auch nicht reime, er wolle
mich schon reimen lehren, und so ging er hinaus und schloss die Tür ab, und vor
der Tür rief er: »Nicht eher kommst Du heraus, bis Du ein Gedicht fertig hast!«
- Da stand ich - ganz widersinnig im Kopf. - Ans Aufschreiben dacht ich nicht. -
Aber ich dacht an das Versmachen, wie seltsam das ist. - Wie in dem Gefühl
selbst ein Schwung ist, der durch den Vers gebrochen wird. - Ja, wie der Reim
oft gleich einer beschimpfenden Fessel ist für das leise Wehen im Geist. Belehr
mich eines Besseren, wenn ich irre, aber ist es nicht wahrscheinlich, dass Reim
und Versmass auf den ursprünglichen Gedanken so einwirke, dass er ihn verfälscht?
- Überhaupt, was seelenberührend ist, das ist Musik, das hab ich schon lang in
mir erfahren; denn es kann nichts die Sinne rühren und durch diese die Seele als
nur Musik; was Dich bewegt, gibt Klang, der weckt seine Mittöne, die rühren das
Echo doppelt und allseitig, und die ganze Harmonie erwacht - und zwischen dieser
durch wandelt der Gedanke und wählt sich seine Melodie und offenbart sich durch
die dem Geist. - Das deucht mich die Art, wie der Gedanke sich dem Geist
vermählt. Nun kann ich mir wohl denken, dass der Rhythmus eine organische
Verbindung hat mit dem Gedanken, und dass der kurze Begriff des Menschengeistes,
durch den Rhythmus geleitet, den Gedanken in seiner verklärten Gestalt fassen
lernt, und dass der den tieferen Sinn darin beleuchtet, und dass wie die
Begeistigung dem Rhythmus sich füge, sie allmählich sich reiner fasse, und dass
so die Philosophie als höchste geistige Poesie erscheine, als Offenbarung, als
fortwährende Entwicklung des Geistes und somit als Religion. Denn was soll mir
Religion, wenn sie stocken bleibt? - Aber nicht wie Du sagst, dass Philosophie
endlich Poesie werden soll, nein, mir scheint, sie soll sein oder ist die Blüte,
die reinste, die ungezwungenste, in jedem Gedanken überraschendste Poesie, die
ewig neu Gottessprache ist in der Seele.
