 und ich glaub:
keine Frage, die ich nicht beantworten könnte, sobald ich mir innerlich denke,
er höre mir zu, keine Handlung, die ich nicht kühn genug wäre zu vollbringen,
wenn er mir zusähe, und was das auch sein möge, was mich so anreizt - gewiss ist
es was Großes, was ganz Göttliches, dass der Mensch, wo er das Göttliche ahnt,
das Schöne und Große gewahr wird, gleich harmonisch mit einstimmt und alle Feuer
in ihm aufflammen. Ach, ich denk mich schon in eine Schlacht auf einem Schimmel
neben ihm herreitend zwischen allem Donner der Geschütze, Rauch und Pulverdampf,
in der Verwirrung großer entscheidender Momente, wie seinem sicheren Blick
vertrauend ich alles glücklich vollende, ich denk noch mehr, alles was glühender
Ehrgeiz nur zu unternehmen wagt, das fährt durch meine Seele, ich erleb's - ich
bin glücklich, freudig, jauchze im Gelingen, und alles Volk umringt mich
mitjauchzend und harrt meiner, dass ich ihm Labung zutröpfle heiliger Freiheit.
All dies erleb ich mit dem Franzosen, der sich vor meinen Augen zum Heros
entwickelt. - Ich möchte doch wissen, wenn man alle Erlebnisse sich
zusammenrechnet, ob da nicht diese eingebildeten auch gelten, sie glühen und
damaszieren doch die Seele durch diesen feinen Stahl der Begeisterung, der mit
ihr zusammengeschweisst, gebeizt und geätzt wird und mir edler deucht wie jede
andre Politur und besser zu benützen, zäher, fester, der Kraft des Willens
nachgebend und ihr folgend. Kühne feste Handlung, Tatkraft muss doch auch einen
Samen haben in die Seele geborgen, ist dies nicht Same? Mich deucht, etwas
gedacht zu haben ist Samen im Boden der Seele, der ans Licht dringt und sich
erschliesst, heute oder morgen.
    Da ging die Tür auf, Klemens kam herein, große Freud! - Sie stärkt - es
blitzt innerlich. - Ist mein Verstand mir verloren und such ihn an der leeren
weißen Wand und find ihn nicht, aber in dem schönen großen Aug von Klemens find
ich ihn. Du sagst, Du kannst ihm nicht in die Augen sehen, weil er einen
verzehrenden Blick habe, ich nicht, ich schöpf Freud drin, und ich weiß nicht
was, von lebendiger Nahrung Unübersetzbares. - Vor allem möcht ich Herr werden
über mein Denken; dass ich nämlich die Zeit ausfülle mit lebendigem
(lebengebendem) Denken. Es gibt ein Denken, was verlebt, und eins, was erlebt. -
Wie mich sammeln, dass ich meinen Geist immer auf das Erleben richte? - Dies eine
nur! und das Auffahren gen Himmel ist mir gewiss.
    Das Schlafen kann mit dem Denken im Rapport gesetzt werden, das Schlafen,
was aus dem Denken entspringt, erzeugt wieder Denkkraft
