
aussterben zu sehen, als ihn in diesem durch seine Mutter ihr entehrt
scheinenden Abkömmling fortbestehen zu sehen. Diese Ansprüche jedoch überhaupt
als leere Erfindungen zu leugnen, ihre geringste Kenntnis derselben wenigstens
bestimmt abzuweisen, und dadurch auch ihre Berechtigung in Zweifel zu stellen,
wenn sie ihr je bis zu Erklärungen nahe gerückt würden, war die vorläufige
Richtung, die sie ihren Gedanken gegeben hatte, nachdem die maasslose Aufregung
der ersten Stunden von ihrer Geisteskraft wieder eingefangen war.
    Es blieb ihr ein großer Trost, dass der Graf d'Aubaine die Äußerungen
Reginald's, die, bei dem ersten Zusammentreffen mit der Marschallin, auf seine
Geburtsansprüche hingewiesen hatten, entweder überhört, oder auf die Rechnung
des Wahnsinnes geschoben hatte, von dem er ihm ergriffen geschienen. Sie schonte
ihn dagegen eben so, indem sie ihm keine Frage über Franziska tat, die aus dem
trüben Kreise der Hausbewohner verschwunden war. Dagegen hatten ihre raschen
Schritte nach Außen hin den Widerstand des Grafen zu erfahren, indem er mit mehr
Scharfblick, als sie ihm zugetraut, die traurige Weitläufigkeit eines Prozesses
dartat, der, fast zwecklos, nur mehr Leiden herbeiführen musste und kaum eine so
bestimmte Entscheidung erwarten ließ, dass die traurige Tatsache außer Zweifel
hervortreten werde. Aber die Marschallin hatte Gründe, diesen Prozess
herbeizuführen, die sie aber nicht aussprechen durfte; und der Graf d'Aubaine
hatte für diese Oeffentlichkeit Befürchtungen, die er verschwieg, weil sie sein
eigenes Interesse berührten und die in der Möglichkeit beruhten, dass bei der dem
Richter zustehenden Erforschung der Gründe, die dem Angeklagten zur Last fallen
müssten, seine Tochter erwähnt werden könnte; da er selbst die Liebe der beiden
jungen Leute, die sich in einem Gegenstande begegnet war, heimlich als ein
wahrscheinliches Motiv dieser entsetzlichen Katastrophe ansah. Da Beide so mit
verdeckten Karten gegen einander spielten, musste notwendig die Marschallin
gewinnen; denn sie hatte schlagendere Wendungen zu machen - und sie versäumte
keine! -
    Der Kourier war abgesendet, der zugleich dem unglücklichen, wenig geschonten
Vater die Meldung des Todes, mit der Bezeichnung Reginald's als Mörder, machte
und eine Anzeige anbefahl, die den Kriminal-Hof von Paris zur gerichtlichen
Einmischung aufforderte.
    Bei allen diesen raschen und gebieterischen Handlungen zeigten sich die
beiden Verbündeten, der Marquis de Souvré und die Marschallin, nicht vollkommen
einig, und Ersterer sah das zornige Dahinstürmen derselben mit Besorgnis und
nicht, ohne sich dagegen aufzulehnen. In einer ihrer geheimen Zusammenkünfte
sagte er deshalb: »Wir spielen doch ein gewagtes Spiel, diese Kreatur aus ihrem
Dunkel zu ziehen! Wenn dieser Mensch durch Emmy Gray von seiner Geburt
unterrichtet ist, wird er durch diese gerichtliche Procedur von uns eigentlich
erst dahin gestellt, wo er auch zugleich seine Ansprüche geltend machen kann;
