, den der schnelle Aufbruch des Hofes mehr als ein
Mal veranlasste.
    Aber schon war so viel anderweitiges Interesse im Volke erweckt, dass es den
dämonischen Anforderungen eines Bürgerkrieges nur ungern Gehör gab, ihn nicht
mehr zu seinen gewinnreichen Erwerben zählte, sondern darin eine lästige Störung
seines heranblühenden Wohlstandes sah, und daher den Adel nur lau unterstützte,
der, hierdurch geschwächt, den klugen Machinationen Mazarin's nachgeben musste,
und endlich den Frieden herbeiführte, der zuerst nach so langen Stürmen das
erschöpfte Land erquickte.
    Diese Ruhe, die ein wirkliches Bedürfnis war, und die nicht durch Traktate,
Geisseln und das Recht des Stärkeren erhalten ward, sondern sich schützte durch
dieselben Mittel, die das Bedürfnis hatten entstehen lassen - sie musste
notwendig das Gesammtleben Frankreichs zum Bewusstsein und zur Anschauung
erheben, und den Bildungspunkt namhaft bezeichnen, der damit hervortrat.
    Ludwig der Vierzehnte war der vollkommenste Repräsentant dieser Periode; er
war das notwendige Erzeugniss derselben und so innig mit ihr verbunden, dass
jeder Franzose ihn als sein Banner erkennen musste - als die lebendig gewordene
Idee einer Entwickelung, der sich jedes Bewusstsein entgegen drängte. Es kann
daher von diesem Standpunkte aus, weder von seinen Tugenden, noch von seinen
Fehlern, nach dem gewöhnlichen Maassstabe der Berechtigung, die Rede sein. -
Beide waren die Erscheinung der Zeit - er stand weder über, noch unter ihr - er
dankte ihr Alles, aber er gab ihr auch Alles, was sie eben forderte, wenn auch
nicht mit dem Bewusstsein ihres Bedürfnisses, sondern weil er an sich selbst
einen neuen Zustand herzustellen trachtete, der jedoch eben derjenige war,
dessen Frankreich bedurfte. Von der Natur selbst zu einem vollkommenen Franzosen
gebildet, besaß er die herrliche Gabe, seine Fähigkeiten hervortreten zu lassen,
sich ihrer mit Takt und Gefühl bei allen vorkommenden Gelegenheiten zu bedienen.
Wenn schon das gewöhnliche Leben die tiefsten und bedeutendsten Seelenkräfte
dieser Fähigkeit beraubt, in Nachteil stellt gegen den glücklichen Gebieter
geringer Mittel, die ihm jeden Augenblick dienstbar sind, so ist der Einfluss
solcher Gabe auf einem Throne, bei bedeutenden und nationalen Kräften eines
Herrschers, ganz der zauberhaften Wirkung gemäß, durch die wir Ludwig den
Vierzehnten die Höhe der Gunst ersteigen sehen. Sie erbaute ihm aus dem
Enthusiasmus seines Volkes einen Thron, auf den ganz Europa staunend hinblickte,
und der den Gedanken der Weltbeherrschung, in solchem Fundamente begründet, zu
einem erhabenen Fluge des Geistes machte, den wir als Menschen, ohne nationelle
Beschränkung, mit Liebe und Bewunderung betrachten müssen. Diese unläugbare
Befähigung Ludwigs des Vierzehnten machte es ihm aber auch nur möglich, sich aus
dem Schlamme zu erheben, den die Erziehung um seine Füße spülte, und wir müssen,
wenn wir das kräftige Emporarbeiten Frankreichs aus dem Elende des Bürgerkrieges
verfolgen,
