 Mustern und Seufzen schleuderte er seinen lackierten
Hut weit hinter sich, wischte sich das Maul und tat einen Schritt gegen
Emerentien, unfehlbar in der Absicht, ihr den Handschuh zu küssen, denn bis zu
ihren Lippen verstiegen sich seine kühnsten Gedanken nicht.
    Emerentia streckte den Fächer streng und zurückweisend ihm entgegen. Er
blieb bestürzt stehen, sah sie verlegen an und wusste nicht, was diese
Sprödigkeit bedeuten sollte. Auch sie schwieg, denn sie hatte beschlossen, die
Größe dieses Momentes nicht durch rohe Worte herabzuziehen, sie wollte nur durch
Zeichen mit ihrem Verehrer reden. - »Gnädiges Fräulein«, rief Karl Buttervogel
endlich mit klagender Stimme, »dieses ist sehr unrecht, und heißt einen armen
Schuft auf den Geruch von einem Braten einladen. - Doch wie ist mir denn? Alle
Donnerwetter! Wenn man den Teufel an die Wand malt, so kommt der Kujon! Auch ein
Braten muss hier in der Nähe sein, denn meine Nase trügt mich nicht und es steigt
ein Düftlein auf und in dem Korbe - hol' mich dieser und jener -«
    Emerentia gab mit dem Fächer ein Zeichen, welches Karln berechtigte, die
Serviette von dem Korbe zu erheben. Er tat es und nun ereignete sich etwas, was
erfunden in einem Gedichte zu den größten Fehlern gezählt werden würde; zwei
Motive wurden nämlich für die Handlung gleichzeitig in Bewegung gesetzt. -
»Sauerbraten!« rief Karl Buttervogel und ließ die Serviette fallen. -
»Sauerbraten!« wiederholte er jubelnd. In der Tat lag ein lecker zubereiteter
Sauerbraten, Karls Lieblingsessen, auf der Schüssel in dem Korbe. Seine Augen
gingen wie trunkene Wanderer zwischen dem Fräulein und dem Sauerbraten hin und
her, seine Seele spaltete sich in zwei Hälften und in jeder schlug sein Herz,
endlich überwog die eine Hälfte, er riss ein Messer aus der Tasche und wollte
damit dem Sauerbraten eins versetzen. Da schlug ihm aber Emerentia mit dem
Fächer auf die Hand und zwar nicht sanft, sondern empfindlich, ihm zugleich mit
dem Zeigefinger der andern Hand drohend.
    Der zurückgeschreckte Prätendent geriet in eine Art von Wut. »Alle Hagel!«
schrie er, erbost mit dem Messer nach dem Braten stechend, »was soll das
bedeuten? Denn sich so aufzudonnern, dass es einem rot und grün und gelb vor den
Augen wird, und man gar nicht weiß, wo man vor Angst und Herzeleid bleiben soll,
und einem Sauerbraten dazu aufzusetzen und noch dazu mit Zwiebeln, und dann das
Zurückweisen und Fächergeschlage ist nicht auszuhalten. Denn entweder, oder.
Alle Geschichten und Siebensachen in der Welt haben ihren Grund, oder sie haben
ihren Grund nicht. Und also entweder soll ich den Sauerbraten fressen oder ich
soll ihn nicht fressen. Und entweder wollen
