 trat jetzt Andreas, von den
Bessergesinnten seiner Partei unterstützt, wirklich mit dem Vorschlage auf, den
Kaiser um seine Bewilligung zur Errichtung dieses neuen Bundes anzusprechen;
aber die Mehrzahl der Stimmen erhob sich mit gewaltigem Übergewichte laut
dagegen. Die Lust, selbst das Regiment zu führen, war von neuem erwacht; man
beriet sich in einzelnen, mehr oder minder zahlreichen Zusammenkünften, über
die Nachteile und Vorzüge der verschiedenen Regierungsformen, und, wie das
unter solchen Umständen immer der Fall ist, die republikanische trug den Preis
davon, weil auch der Unbedeutendste unter den Verbündeten am liebsten sich
selbst als Dictator auf dem Throne gesehen hätte.
    Und von neuem wagte Pestel Äußerungen, halb ausgesprochne Worte, als
Einleitung zur Ausführung grässlicher Untaten; die Meisten empörten laut sich
dagegen; was Andre heimlich beschlossen, ist wenigstens noch nicht bekannt
geworden, aber das Ärgste steht dennoch zu erwarten. Abermals scheint zwar für
jetzt der Bund gelöst in sich selbst zu versinken, lebt aber dennoch, gleich
dem im Gebälke des Palastes zu Kopenhagen fortglimmenden Funken, fort, um im
nächsten günstigen Augenblicke mit verdoppelter Wut hervorzubrechen, und das
Werk der Zerstörung zu beginnen.
    So, mein Bruder, so steht es jetzt um die Sicherheit unsres geliebten
heiligen Vaterlandes! sprach, Stephan zu seinem, vor Entsetzen sprachlos ihm
zuhörenden Freunde, nachdem er in einer ruhigeren Stunde ihm weitläuftiger alles
dieses aus einander gesetzt hatte. Wir alle leben über dem Krater eines Vulkans,
fuhr er sehr bewegt fort: still und heimlich wütet unter unsern Füßen die
Hölle; wann und wo sie die dünne Decke sprengen wird, die jetzt noch vor ihrer
Wut uns schützt, müssen wir erwarten. Wie freudig ich mein Leben hingäbe, um
die uns drohende Gefahr abzuwenden, schäme ich mich nur zu erwähnen; das Opfer
das ich damit brächte ist der Erwähnung nicht wert; aber verzweifelnd stehe ich
da, und weiß weder Hilfe noch Rat. Den einzigen Weg dazu verschließt mir jener
fürchterliche Eid, der uns Alle fesselt. Ich kann meine unsterbliche Seele nicht
opfern, ich kann, ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, alle meine geliebten
Verlornen dort oben wieder um mich versammelt zu sehen! setzte er in heftigster
Bewegung hinzu.
    Mit jedem Tage wächst die uns drohende Gefahr, nahm Graf Stephan nach
einiger Zeit wieder das Wort; unsre Freunde, Andreas wie Eugen, wandeln in
unseliger Verblendung am Rande des Abgrundes, in welchem sie ein Paradies
erbauen zu können wähnen, und Pestel, dieser Unheil brütende Dämon, führt wieder
das Ruder. Zwar hat er das allgemeine Vertrauen, durch das er mächtig wurde,
größtenteils verloren; doch so verhasst er geworden sein mag, erhält er sich
doch durch seine überwiegende Geisteskraft in der Oberherrschaft über die
Gemüter.
    Der furchtbare
