 und wichtig erscheinen müssen, als das einzelne,
womit wir uns im Zustande des sogenannten Friedens ängstlich zu schaffen machen.
Unter allen Wahrheiten ist die wahrste, dass kein Mensch unentbehrlich ist. Der
Arzt stellt sich an, als sei er vom Gegenteil überzeugt.«
                                       *
»Man wird es müde, Blut und Fleisch, Nerven und Eingeweide zu untersuchen. Was
wir von diesen Dingen wissen können, wissen wir so ziemlich, und ich für meine
Person teile wenigstens den Eifer meiner Kollegen nicht, zu dem aufgeschichteten
Haufen der Tatsächelchen noch das und jenes Sandkörnchen zu fügen. Die einzige
interessante Substanz bleibt für mich noch die menschliche Seele.«
                                       *
»Da gälte es nun, Experimente anzustellen, zu analysieren, zu verbinden. Wie man
Blut und andre Flüssigkeiten des Körpers auf den geeigneten Mitteln prüft, so
müsste man ein gleiches Verfahren mit den Geistern anstellen, um zu sehen, in
welche Bestandteile sie sich zersetzen lassen, was an ihnen wandelbar und was
dagegen unbezwinglich erscheint. Freilich verbietet die Moral den Gebrauch der
Agenzien und Reagenzien, welche in dieser Sphäre allein wirksam sein möchten.
Allein, wie uns niemand darüber Vorwürfe macht, wenn wir, um zu einem wichtigen
wissenschaftlichen Aufschlusse zu gelangen, den Schmerz der Tiere nicht achten,
so gibt es ja auch wohl unter den Menschen Exemplare, mit denen man allenfalls
sich erlauben dürfte, Versuche zu machen.«
                                       *
»Und dann habe ich bei den Dingen, die mir jetzt durch den Kopf gehen, doch immer
eine gute Absicht: Abweichungen im Psychischen wieder auf die Linie der Natur
zurückzuführen. Wer kann mich also tadeln?«
                                       *
»Was ich von dem Mädchen höre, lege ich mir als Arzt leicht aus. Dennoch bleibt
darin etwas Mystisches. Tanz? Wer hat seine Bedeutung schon ergründet? Religiöse
Tänze. Tanz der Schamanen.«
                                       *
»Wenn ich den alten Wilhelmi um eine Lappalie verbannt und trauernd sehe, wenn
ich den Lärmen um nichts hier im Schloss höre, wenn ich daran denke, wie der
Herzog, ohne Kinder, spart, um nur das Fideikommiss zu vergrößern, welches einmal
Gott weiß wem? zustatten kommt, wenn ich den Krämer von der einen und den
Pfaffen von der andern Seite lauern sehe, so ist es mir, als müsse über kurz
oder lang etwas Fremdes, Unerwartetes hereinbrechen, wovon jetzt keiner einen
Begriff hat.«
                                       *
»Was hat uns denn nur zusammengeblasen und was hält uns noch beieinander?«
                                       *
»Es ist mit den Häusern, den Familien, den Freundschaften zu Ende, man sieht es
klar.«
                                       *
»Wenn ich nur der verruchten Liebe quitt werden könnte! Dass eine weiße Haut,
eine kleine Hand, eine Iris von der und der Farbe
