 hier einen sichtbaren Tempel
seines leibhaften Wohlgefallens geschaffen. Ich betrat deshalb mit einer
gewissen Ehrfurcht diese Halle, auf der noch die von dem heutigen Mittagsmahl
zurückgebliebenen Geister frommer Bratengerüche weilten, und wie Ossian seinen
obwohl auf der Wolke sitzenden Vater Fingal doch deutlich an Wesen und Gestalt
erkannt, so glaubte auch ich noch aus der fliegenden Geruchswolke einen
verewigten Kapaun herauszuschmecken. Ich kämpfte die Anwandlungen einer zu stark
in mir rege werdenden Andacht gewaltsam zurück, und schritt neidisch an der
langen weissgedeckten Speisetafel vorüber, die, wenn ich recht gehört, zu
sechsundfunfzig Gedecken eingerichtet war, denn so groß ist die Anzahl der
Mönche dieses Klosters. Eine kleine Betkanzel an der Wand fehlte natürlich
nicht, was mich aber besonders überraschte, war ein Billard, das im Hintergrunde
des Saales stand, und zur Bewegung und Unterhaltung der Cisterzienser-Mönche
diente. Offenbar ein moderner Fortschritt der klösterlichen Regel, doch sollte
es mich wundern, da es noch keine Heilige gibt, die Karoline heißt, ob nicht
eine förmliche Heiligsprechung Karolinens nächstens zu gewärtigen?
    Beim Herausgehen schweifte mein Blick noch einmal über die schöne weiße
Speisetafel, als ich zu meinem Erstaunen - man denke sich! - was gewahrte? Ein
Paquet Zeitungen lag hinter einem Brotkorb verborgen. Zeitungen! Zeitungen!
Zeitungen in einem Cisterzienser-Kloster! Welche Riesenprogresse der Kultur!
Welch ein rapides Umsichgreifen der Aufklärung! Unwillkürlich entfuhren mir
diese Ausrufungen, als ich mit der Hast eines Jägers, der ein Wildpret
geschossen, darauf zustürzte und zuerst an der Gazette de France anprallte. Sie
ist nicht meine Freundin, und ich schob sie mit einem behutsamen Kompliment zur
Seite. Aber auch die Allgemeine Zeitung lag da, und da man auf der Reise oft
Wochenlang die Zeitungen versäumt, so setzte ich mich an den Tisch, um ein wenig
darin zu blättern. Zugleich gefiel ich mir in der großartigen Idee, in einem
Kloster Politik zu treiben, und ich nahm mir vor, im nächsten Wirtshause
Phantasien eines zeitungsliebenden Klosterbruders zu schreiben, in der die
Klöster und die Politik einen gemeinschaftlichen Hieb von mir bekommen sollten.
Denn wahrhaftig, entweder mit den Klöstern oder mit der Politik muss es weit
gekommen sein! Ist die Politik in unsern Tagen wirklich so bedeutend geworden,
dass sich schon die Klöster auf sie verlegen müssen, um ihre Existenz so auf
zeitgemässerem Grunde fortzubauen, so hat auch die Politik bereits gesiegt, und
um der Klöster Existenz ist es geschehen. Muss aber im Gegenteil die deutsche
Politik, wie es scheint, aus unglücklicher Liebe ins Kloster gehen, um sich von
der Welt, deren Licht sie kaum erblickt hat, schon wieder zurückzuziehn, so ist
dadurch die Notwendigkeit einer Aufrechtaltung der Klöster in heutigen Zeiten
bewiesen, und man setzt seiner unglücklichen Liebe die Kapuze auf,
