 Vorwurf
gegen Ihre früheren Arbeiten, den Sie immer von mir gehört haben, ohne darum zu
zweifeln, dass ich Sie für einen in seiner Art trefflichen Künstler halte. Ich
fand jetzt aber eine Keckheit und Größe der Komposition von Figuren, eine
Freiheit überall, wie Sie meines Wissens der Welt niemals gezeigt hatten; und
was mir schlechterdings als ein Rätsel erschien, ist die auffallende Abweichung
in der poetischen Denkungsart, in der Wahl der Gegenstände. Dies gilt
insbesondere von zwei Skizzen, deren ich noch gar nicht erwähnte und die Sie dem
Grafen in Öl auszuführen versprochen haben.
    Hier ist eine durchaus seltene Richtung der Phantasie, wunderbar,
phantastisch, zum Teil verwegen und in einem angenehmen Sinne bizarr. Ich denke
dabei an die Gespenstermusik im Walde und Mondschein, an den Traum des
verliebten Riesen. Tillsen! um Gottes willen, sagen Sie, wann ist diese
ungeheure Veränderung vorgegangen? wie erklären Sie mir sie? Man weiß und hat es
bedauert, dass Tillsen in anderthalb Jahren keine Farbe angerührt; warum sagten
Sie mir während der letzten zwei Monate nicht eine Silbe vom Wiederanfange Ihrer
Arbeiten? Sie haben heimlich gemalt, Sie wollten uns überraschen, und wahrlich,
teuerster, unbegreiflicher Freund, das ist Ihnen gelungen.« Hier schüttelte der
feurige Redner den stummen Hörer kräftig bei den Schultern, schmunzelte und sah
ihm nahezu unter die Augen.
    »Ich bin wahrhaftig«, begann der andere ganz ruhig, aber lächelnd, »um den
Ausdruck verlegen, Ihnen meine Verwunderung über Ihre Worte zu bezeugen, wovon
ich das mindeste nicht verstehe. Weder kann ich mich zu jenem Gemälde, zu jenen
Zeichnungen bekennen, noch überhaupt fass ich Ihre Worte. Das Ganze scheint ein
Streich von Zarlin zu sein, den er uns wohl hätte ersparen mögen. Wie stehen wir
einander nun seltsam beschämt gegenüber! Sie sind gezwungen, ein mir nicht
gebührendes Lob zurückzunehmen, und der Tadel, den Sie vergnügt schon auf die
alte Rechnung setzten, bleibt wo er hingehört. Das muss uns aber ja nicht
genieren, Baron, wir bleiben hoff ich, die besten Freunde. Geben Sie mir aber
doch, ich bitte Sie, einen deutlichen Begriff von den bewussten Stücken. Setzen
Sie sich!«
    Jassfeld hatte diese Rede bis zur Hälfte mit offenstehendem Munde, beinahe
ohne Atemzug angehört, während der andern Hälfte trippelte er im Zickzack durch
den Saal, stand nun plötzlich still und sagte: »Der Teufelskerl von Zarlin! Wenn
ja der - aber es ist impossibel, ich behaupte trotz allen himmlischen
Heerscharen, Sie sind der Maler, kein anderer; auch lässt sich nicht annehmen,
dass es etwa nur zum Teil Ihre Produktion wäre; Sie haben sich in Ihrem Leben nie
auf Fremdes verlegt.« Der Maler bat
