 wollte ihm auch der Gedanke scheinen, von diesem Kraft sich
belehren lassen zu müssen.
    Doch dem Unmut über seinen gutmütigen Wirt, konnte er nicht lange Raum
geben, wenn er bedachte, dass ja jene Plane nicht in seinem Kopfe gewachsen
seien; und dass Menschen, wie dieser politische Ratschreiber, wenn sie einmal ein
Geheimnis, einen großen Gedanken in Erfahrung gebracht haben, ihn hegen und
pflegen wie ihren eigenen; dass sie sich mit dem adoptierten Kinde brüsten, als
wäre es Minerva und aus ihrem eigenen, harten Kopfe entsprungen.
    Mit milderen Gedanken kam er zu seinem Gastfreund, als man ihn zu Tisch
rief.
    Ja, die ganze Ansicht der Dinge wurde ihm nach einigen Stunden bei weitem
erträglicher, als er sich erinnerte, dass ja auch Mariens Vater dieser Partei
folge; es war ihm, als möchte die Sache doch nicht so schwarz sein, welcher
Männer, wie Frondsberg ihre Dienste geliehen.
Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort,
Das schnell sich handhabt wie des Messers Schneide -
- Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig,
Bös oder gut. -
Dieses wahre Wort des Dichters möge die Gesinnung Georgs bezeichnen, die
Gesinnung Georgs, der vielleicht allzuschnell seine Ansicht über jene Dinge
änderte. Und wie die düsteren Falten des Unmuts, auf einer jugendlichen Stirne
sich schneller glätten, wie selbst schmerzliche Eindrücke in des Jünglings Seele
von freundlichen Bildern leicht verdrängt werden, so erhellte auch Georgs Seele
der freudige Gedanke an den Abend.
    Man hat uns erzählt, dass unter die schönsten Stunden im Leben der Liebe, die
gehören, wo die Erwartung sich an schöne Erinnerungen knüpft. Der Geist sei da
ahnungsvoller, das Herz gehobener. So mochte auch Georg fühlen. Er träumte von
den schönen Augenblicken, wo es ihm vergönnt sein werde, die Geliebte zu sehen,
sie zu sprechen, ihre Hand zu fassen und in ihrem Auge zu lesen.
 
                                       VI
 Und als er sie schwingt nun im luftigen Reigen,
 Da flüstert sie leise, sie kann's nicht verschweigen.
                                                                       L. Uhland
Wenn es möglich gewesen wäre, auf einem Trödelmarke oder in der Auktion eines
Antiquars ein »Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, mit neuen Tanztouren vom
Jahr 1519« aufzufinden, wir hätten nicht leicht so angenehm überrascht werden
können, als durch einen Fund ähnlicher Art, den uns der Zufall in die Hände
spielte.
    Wir waren nämlich in vorliegender Historie bis an dieses Kapitel gekommen,
das um der Sage zu folgen, von einem Abendtanz handeln soll; da fiel uns mit
einem Male der Gedanke schwer aufs Herz, dass wir ja nicht einmal wissen, wie und
was man in jenen Zeiten getanzt habe.
    Wir hätten zwar schlechtin sagen können, »sie tanzten«; aber wie leicht
wäre es geschehen
