 zu sein, und
alles, was du beginnen magst, ohne alles Geräusch zu vollbringen, denn auf diese
Weise erhält man sich den guten Ruf am besten. - Ja, ich würde dir als Beispiel
zwei Leute zeigen, von denen der eine jeden Tag still für sich allein im Winkel
sitzt und so lange eine Flasche Wein nach der andern trinkt, bis er in völlig
trunknen Zustand gerät, den er aber vermöge langer praktischer Übung so gut zu
verbergen weiß, dass ihn niemand ahnt. Der andere trinkt dagegen nur dann und
wann in Gesellschaft fröhlicher gemütlicher Freunde ein Glas Wein; das Getränk
macht ihm Herz und Zunge frei, er spricht, indem seine Laune steigt, viel und
eifrig, doch ohne Sitte und Anstand zu verletzen, und eben ihn nennt die Welt
einen leidenschaftlichen Weintrinker, während jener geheime Trunkenbold für
einen stillen mäßigen Mann gilt. Ach, mein guter Kater Murr! Kenntest du den
Lauf der Welt, so würdest du einsehen, dass ein Philister, der stets die
Fühlhörner einzieht, es am besten hat. Aber wie kannst du wissen, was ein
Philister ist, unerachtet es wohl in deinem Geschlecht auch dergleichen genug
geben mag.«
    Bei diesen Worten des Meisters konnte ich mich im Bewusstsein der
vortrefflichen Katerkenntnis, die ich mir durch des wackeren Muzius Belehrungen
sowohl als durch eigne Erfahrung erworben, eines lauten freudigen Prustens und
Knurrens nicht erwehren.
    »Ei,« rief der Meister laut lachend, »ei, Murr, mein Kater! ich glaube gar,
du verstehst mich, und der Professor hat recht, der in dir einen besonderen
Verstand entdeckt haben will und dich gar fürchtet als seinen ästhetischen
Nebenbuhler?«
    Zur Bestätigung, dass dem wirklich so sei, gab ich ein sehr klares,
wohltönendes Miau von mir und sprang ohne weiteres dem Meister auf den Schoss.
Nicht bedacht hatte ich indessen, dass der Meister gerade seinen Staatsschlafrock
von gelbem, grossgeblümtem, seidenem Zeuge angezogen, den ich notwendigerweise
beschmutzen musste. Mit einem zornigen: »Will Er wohl!« schleuderte der Meister
mich so heftig von sich, dass ich überpurzelte und, ganz erschrocken die Ohren
unkneifend, die Augen zudrückend, niederduckte auf den Fußboden. Gepriesen sei
aber die Gutmütigkeit meines guten Meisters! »Nun,« sprach er freundlich, »nun,
nun, Murr, mein Kater! so böse war es nicht gemeint! - Ich weiß es, deine
Absicht war gut, du wolltest mir deine Zuneigung beweisen, aber das tatst du auf
täppische Weise, und geschieht dieses, so fragt man freilich den Henker was nach
der Absicht! - Nun, komm nur her, kleiner Äscherling, ich muss dich putzen, damit
du wieder aussiehst wie ein honetter Kater!«
