 Seinen an dies Unternehmen gesetzt, mit
Herzog Ulrich war keine Versöhnung möglich; er fühlte, dass er die Stadt nicht
gekannt, sie in seine Hoffnungen habe zwingen wollen, er konnte sich nur mit der
guten Absicht bei dem schlechten Erfolge rechtfertigen. In dem Wirbel dieser
Betrachtungen saß er fast gedankenlos müßig; das Geschehene lässt sich nur durch
Tat, nicht durch Nachdenken vernichten.
    Grössere Bundesscharen kamen in den nächsten Tagen, die Bürger hatten alle
Lebensgefahr vergessen, der sie entkommen, die Last und Kosten schienen ihnen
unerschwinglich, sie sprachen laut gegen den Bürgermeister, obgleich dieser aus
freiem Willen mehr Last übernahm, als ihm im Verhältnis zukommen konnte. Er
wollte die Stadt befestigen, aber niemand zeigte sich bereitwillig, er wollte
den Rat über alle Angelegenheiten setzen, die sonst der herzogliche Vogt
besorgte, aber keiner wollte sie übernehmen, er sah, dass die reichsstädtische
Verfassung zu einer leeren Form wurde, weil sie nicht durch die Notwendigkeit
entstanden war, eine allgemeine Kraft zu begrenzen. Diese allgemeine, belebende
Kraft fehlte, die Verständigen schwiegen, die Toren und Widerspenstigen waren
überlaut, die Verständigen hielten ihn für einen Schwärmer, die Schlechten
glaubten in ihm einen bestochenen Verräter, die fremden Landsknechte spotteten
seiner teuer erkauften Reichsfreiheit. Jeder suchte sich ihm und der Stadt in
der Vorsorge für die Bedürfnisse der fremden Scharen zu entziehen, auf ihm
lastete das ganze Geschäft, dabei schwärmten seine Gedanken umher nach Rat und
Trost, so musste sich ihm die Arbeit verdoppeln und die Fremden mochten zuweilen
wohl mit Recht auf den Mangel an Anordnung schelten. Sein einziger Genuss war es,
seit er von diesen Fremden doch kein Heil erwartete, die Bürger gegen ihren
Unwillen und Übermut zu schützen; zu jedem Streite eilte er mit rechter Lust und
setzte gar oft sein Leben an eine Kleinigkeit, die mit einiger Ruhe friedlich
geschlichtet werden konnte. Die üble Folge davon war, dass stärkere Besatzung in
die Stadt gelegt wurde, damit nicht einzelne wieder in solchen Streitigkeiten
unterliegen möchten, und so fühlte sich Bertold die Veranlassung einer neuen,
drückenden Last. »Wären wir ruhig zu Hohenstock!« rief Bertold zuweilen, aber
Anna antwortete immer: »Lieber tot, als dort unter den wahnsinnigen Menschen!«
    Als eine Verstärkung der Besatzung rückte auch ein sehr unbequemer
Bekannter, der Graf Konrad, mit einer Schar Reisigen ein, welche die
Kronenwächter für ihn geworben und mit denen sie ihn zum Herzog Wilhelm
geschickt hatten. Bertold freute sich in seinem Unmut, ihre alte Streitigkeit
da fortsetzen zu können und ließ ihn sehr hart an. Aber Konrad schien seine
Natur ausgetauscht zu haben, er antwortete nur das Notwendigste in
Bescheidenheit und bat ihn, seine früheren Unbesonnenheiten zu vergessen, die
Kronenwächter hätten ihn belehrt, dass sie zu einem
