 Sonette zu machen, die keiner ins Italiänische übersetzen wird.«
    »Den Dante halten Sie denn wohl für ganz unübersetzlich«, sagte Haber.
    »Grade einen solchen weniger,« fuhr ich fort, »ebenso wie den Shakespeare.
Diese beiden Dichter stehen ebenso über ihrer Sprache wie über ihrer Zeit. Sie
haben mehr Leidenschaft als Worte, und mehr Worte als Töne. Sie stehen
riesenhaft in ihren Sprachen da, und ihre Sprache kann sie nicht fesseln, da
ihrem Geiste kaum die Sprache überhaupt genügt, und man kann sie wohl wieder in
einen anderen wackeren Boden versetzen. Es kann gedeihen, nur muss es ein Simson
getan haben. Transportierte Eichen bleiben sie immer, an denen man die kleinen
Wurzeln wegschneiden muss, um sie in eine neue Grube zu setzen. Die meisten
anderen italienischen Sänger aber haben ganz eigentümliche Manieren, die in der
Natur ihres Instrumentes liegen, es sind Tonspiele, wie bei Shakespeare
Wortspiele; Tonspiele können nicht übersetzt werden, wohl aber Wortspiele.«
    »Wie sind wir auf die Übersetzungen gekommen?« sagte Godwi. - »Durch das
romantische Lied Flamettens«, sagte ich. »Das Romantische selbst ist eine
Übersetzung« -
    In diesem Augenblick erhellte sich der dunkle Saal, es ergoss sich ein milder
grüner Schein von dem Wasserbecken, das ich beschrieben habe.
    »Sehen Sie, wie romantisch, ganz nach Ihrer Definition. Das grüne Glas ist
das Medium der Sonne.«
 
                                Neuntes Kapitel
Es ging wirklich etwas Bezauberndes mit diesem Becken und seinen Früchten vor,
und die Erscheinung war mir äußerst überraschend.
    Die Früchte, die halb in der Wand verborgen waren, fingen allmählich an zu
schimmern. Zuerst erleuchteten sich der Lorbeerkranz mit dem Schmetterlinge und
die Trauben, ein dunkles ernsthaftes Grün, das endlich in verschiedene
Stimmungen über die umgebenden Früchte zerrann. Dann glühte das ganze Becken in
mildem grünen Feuer, und die schillernden Tropfen, die zwischen den Früchten
hervordrangen, leuchteten und sammelten die verschiedenen Grade des Feuers in
dem Boden des Beckens, das mit grünem Spiegel überzogen die immer gleiche Menge
des Wassers mit einer zurückstrahlenden Seele belebte, und in dieser brannte das
Ganze noch einmal reflektiert.
    Wir standen alle erfreut vor dem großen Smaragde, der zu leben schien, und
ich empfand in mir einen heftigen Eindruck, eine ganz wunderbare Sehnsucht.
    »Ich wollte, das Ding schwiege still, erblasste und verlöre seine Gestalt,«
sagte ich, »denn eins allein von diesen könnte ich nicht sagen. Hier ist Ton,
Farbe und Form in eine wunderliche Verwirrung gekommen. Man weiß gar nicht, was
man fühlen soll. Es lebt nicht und ist nicht tot, und steht auf allen Punkten
auf dem Übergange, und kann nicht fort, es liegt etwas
